Neuer Ansatz für Gebäude-Ökobilanzierung

Langlebige Bauweisen sollten einen Bonus bekommen

09.07.2026

Lenkungswirkung für klimabewusstes Bauen

Ziegel haben eine außergewöhnlich lange Lebensdauer, die sich ohne Qualitätsverluste über mehrere Jahrhunderte erstrecken kann. Diese Langlebigkeit spiegelt sich aber bisher in der standardisierten Berechnung der Ökobilanz nicht wider. Denn sie legt pauschal eine Gebäudenutzung von lediglich 50 Jahren zugrunde. Eine aktuelle Untersuchung der Intep GmbH aus Berlin im Auftrag des Bundesverbands der Deutschen Ziegelindustrie ist nun der Frage nachgegangen, welche Auswirkungen eine realitätsnahe Betrachtung der zu erwartenden Lebensdauer auf die ökologische Beurteilung eines Gebäudes hätte und wie sie sich in bestehende Verfahren integrieren ließe.

Blinder Fleck der Ökobilanzierung

Ziegel benötigen bei der Herstellung viel Energie für Trocknung und Brennprozess. Sie stammt zu einem zwar geringer werdenden, aber immer noch nennenswerten Anteil aus fossilen Energieträgern. Deshalb wird die Produktion nach gängiger Bewertungssystematik mit einem entsprechenden „Global Warming Potential“ (GWP) in der ökologischen Bilanzierung eines Gebäudes berücksichtigt. Dass Ziegelmauerwerk andererseits durch seine Langlebigkeit die negativen Umweltauswirkungen über den gesamten Lebenszyklus eines Gebäudes verringert, findet hingegen wegen der Deckelung auf den 50-Jahres-Zeitraum keinen Eingang in die Berechnung. Die Nachhaltigkeit dieses Baumaterials wird also in den derzeitigen Bewertungssystemen nicht so abgebildet, wie es den tatsächlichen Faktoren angemessen wäre. Dann müsste sich nämlich der ökologische Aufwand für die Herstellung auf einen wesentlich längeren Betrachtungszeitraum verteilen. Momentan ist die Langlebigkeit so etwas wie der blinde Fleck der Gebäude-Ökobilanzierung.


Schlagmann Grafik

Langlebigkeitsbonus als Lösung

Anhand von exemplarischen Beispielrechnungen zeigt die Studie auf, dass beim Ansatz einer Referenz-Nutzungsdauer von 150 Jahren, wie sie in den Umwelt-Produktdeklarationen (EPD) für Ziegel ausgewiesen ist, der gebäudebezogene GWP-Wert rechnerisch um 8,1 Prozent sinken würde. Das belegt, dass die Berücksichtigung realistischer Nutzungsdauern einen messbaren Einfluss auf die Gebäudeökobilanz hat.

Die Autoren schlagen dafür vor, einen „Langlebigkeitsbonus“ ins Bewertungssystem zu integrieren. Wenn die zu erwartende Lebensdauer eines Gebäudes durch die Verwendung langlebiger Baustoffe und Bauteile einen Zeitraum von 50 Jahren signifikant überschreitet, soll nach klar definierten Kriterien ein Korrekturfaktor für die Berechnung nach der überarbeiteten DIN EN 15978 ermöglicht werden. Somit bliebe das Berechnungsmodell grundsätzlich unverändert und somit norm- und QNG-konform. Dennoch würde die Gebäudeökobilanz die tatsächlich zu erwartenden Treibhauspotenziale eines Gebäudes realistischer abbilden.

Systematische Benachteiligung beenden

Nachhaltiges Bauen erfordert nicht nur möglichst niedrige Emissionen bei der Errichtung, sondern auch Langlebigkeit, Robustheit und dauerhafte Ressourcenschonung. Nach den aktuellen Berechnungsmethoden werden aber gerade Baustoffe, die diese Kriterien besonders gut erfüllen, systematisch benachteiligt. Um dies zu ändern, sollte Nachhaltigkeit in der Gebäude-Ökobilanz künftig ganzheitlicher bewertet werden. Die Intep-Studie zeigt dafür einen praktikablen Weg auf.
Hier geht es zur Intep-Studie

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