Tipp aus der Bauberatung, heute von Florian Bielmeier
Konstruktiver Lehmbau in der Praxis
23.06.2026
Ein stattlicher Neubau ist auf einer Grundfläche von 13 auf 9 Metern im Landkreis Neustadt an der Waldnaab entstanden. Untergekommen sind darin der Hofladen eines Bioland-Betriebs im Erdgeschoss sowie drei darüberliegende Ferienwohnungen. Der Inhaberfamilie war bei diesem Projekt die Nachhaltigkeit von der Auswahl der Baustoffe bis zur Umsetzung besonders wichtig. Auf Kunststoffe und Verbundmaterialien wollte sie komplett verzichten. Auch Beton sollte nicht zum Einsatz kommen. Stattdessen fiel die Wahl für das Mauerwerk auf die ungebrannten Lehmbloc®-Steine von Schlagmann.
Neue Möglichkeiten mit Lehmbloc®
Seit Juni 2023 gilt die neue Norm DIN 18940 für tragendes Lehmsteinmauerwerk. Sie ermöglicht den Bau von bis zu vier Vollgeschossen mit Lehmsteinen und erschließt damit für die meisten Neubauten bis einschließlich Gebäudeklasse 4 neue Möglichkeiten für Bauherren. Schlagmann bietet dafür Lehmbloc®-Steine (zum Sortiment) in unterschiedlicher Dimensionierung für tragendes und nichttragendes Mauerwerk an, seit kurzem auch den Lehmbloc®-Planstein-T-1,4. Kurz nachdem die neue Norm in Kraft getreten war, begann die Realisierungsphase für das Vorhaben in Moosbach mit dem Rückbau eines Bestandsgebäudes. Ganz dem Nachhaltigkeitsgedanken folgend wurden die Feld- und Bruchsteine aus dem alten Gebäude dazu verwendet, Streifenfundamente für den Neubau auszubilden. Ungebrannter Lehm mag keine „nassen Füße“, weshalb die Norm einen mindestens 30 Zentimeter hohen und wasserfesten Sockel im Außenbereich vorsieht. Auf ihn wurde eine Lage gebrannter Ziegel aufgesetzt, bevor das übrige Mauerwerk aus Lehmbloc®-Steinen errichtet wurde. Die Dimensionierung der Außenwände, die sich nach oben verjüngen, begann im Sockelbereich mit üppigen 62 Zentimetern Wandstärke. Dies wäre statisch nicht erforderlich gewesen, folgte aber dem Wunsch, die historisch vorhandene Bausubstanz des angrenzenden Gebäudes aufzugreifen.
Mitwachsender Witterungsschutz
Für den Witterungsschutz, der bei der Verwendung von Lehmsteinen während der Bauphase erforderlich ist, entschieden sich Bauherrschaft und ausführende Firma für eine komplette Einhausung mit einem abnehmbaren zweigeteilten Dach. Diese Konstruktion wuchs mit dem Fortschritt des Neubaus mit und erlaubte die Arbeit bis weit in den November hinein, bevor die Baustelle eingewintert wurde. Für die Sturzausbildung wurde heimisches Holz verwendet, auch der Ringanker wurde komplett in Holz ausgeführt. Die Mauerwerksöffnungen wurden mit gemauerten Anschlägen versehen, so dass für die Montage der Holzfenster und -türen nur noch Hanfbänder und Lehm zum Einsatz kamen.
Bewährte Baustoff-Kombination
Auf die Lehmsteinmauern wurden Balkendecken aufgesetzt. Als dauerhafter Witterungsschutz und zur Wärmedämmung erhielt das Gebäude eine hinterlüftete Holzfassade mit Schafwolldämmung. Holz und Lehm bilden seit Jahrhunderten eine bewährte Kombination. Beide verfügen über die Fähigkeit, Feuchtigkeit aus der Umgebung aufzunehmen und wieder abzugeben und sorgen so für einen ständigen Ausgleich, der dem Wohnklima zugutekommt. Im Innenbereich wurden die Wände mit einem mehrlagigen Lehmputz versehen, der durch anschließendes Bereiben eine auch optisch stimmige Oberfläche bildet. Auch bei der Haustechnik setzte die Inhaberfamilie auf Nachhaltigkeit. Dazu gehört auch, dass Installationen möglichst revisionsfreundlich aufputz ausgeführt wurden. Auf eine Wandflächentemperierung oder Flächenheizung, die nur unter Einsatz von Verbundmaterialien realisierbar ist, verzichtete die Bauherrschaft zugunsten klassischer Einzelheizkörper.
Erfahrungen fließen in Produktentwicklung ein
Die Nasszellenbereiche wurden mit Natursteinfliesen ausgestattet. Es zeigte sich, dass diese trotz ihres hohen Gewichts mit einer Ausgleichsschicht problemlos auf die Lehmsteinwände angebracht werden können. Aus den Erfahrungen mit diesem Projekt möchte Schlagmann eine Handreichung für die Verwirklichung derartiger Aufbauten entwickeln, damit auch andere von den gewonnenen Erkenntnissen bei diesem Leuchtturmprojekt profitieren können. Die ausführende Firma hatte zuvor keine Erfahrung im Lehmbau. Auftretende Fragen wurden in enger Zusammenarbeit zwischen Bauherrschaft, Bauunternehmen und Schlagmann pragmatisch gelöst. Das Resultat beweist, dass der Bau mit Lehmsteinen eine echte Alternative bietet, wenn Bauherren hohe Anforderungen an Nachhaltigkeit, Wohnbiologie, Raum- und Aufenthaltsqualität haben. Schlagmann entwickelt das Angebot in diesem Bereich kontinuierlich weiter und greift dabei die Erfahrungen aus der Baustellenpraxis solcher Projekte auf.
Das komplette Webinar mit vielen Bildern und Detailinformationen gibt es im Video der Schlagmann-Mediathek.