Tipp aus der Bauberatung, heute von Kemal Oezkan und Dominik Bock

Moderne Wohnraumlüftung kompakt erklärt

21.04.2026
Schlagmann Info-Mail

Früher war eine technische Raumlüftung ein Luxus-Zubehör, das vor allem der gewünschten Temperierung von Wohnräumen diente. In ungedämmten und mit älteren Holzfenstern versehenen Häusern erfolgte der Luftaustausch mehr oder weniger ungesteuert von selbst. Heute ist eine durchdachte und auf das Gebäudekonzept abgestimmte Lüftungsstrategie in Neubauten unverzichtbar.

Viele Quellen für Wasserdampf

Ein vierköpfiger Haushalt produziert zwischen sechs und zwölf Kilogramm Wasserdampf täglich. Beim Duschen, in der Küche, beim Wäsche trocknen und durch ganz normale Atmung entsteht eine Wassermenge, die ohne Lüftung beinahe zwangsläufig zu einer Schimmelbildung in den Räumen führen würde.

Warme Luft kann aus physikalischen Gründen mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte. Das führt dazu, dass an kalten Außenwänden, an Fenstern, Rollladenkästen oder Wärmebrücken Wasser aus der wärmeren und mit Wasserdampf gesättigten Umgebungsluft kondensieren würde. Um dies zu vermeiden, ist ein geregelter Luftaustausch notwendig.

Verschiedene Bauarten – ein Ziel

Lüftungsanlagen funktionieren nach unterschiedlichen Prinzipien, die aber immer demselben Ziel dienen: die in der Raumluft vorhandene Feuchtigkeit so zu regulieren, dass ein gesundes Wohlfühl-Raumklima herrscht und weder Schimmelbildung noch Bauschäden drohen. Dies kann durch ein zentrales Abluftsystem erfolgen, durch ein bedarfsgeführtes Zu- und Abluftsystem oder durch dezentrale Lüftung. Damit gehen unterschiedliche Vor- und Nachteile einher.

Der Stand der Technik ist in der DIN 1946-6 dargestellt. In ihr sind Mindeststandards definiert, die an Bemessung, Ausführung und Betrieb einer Raumlüftung zu richten sind. Sie ist allerdings nicht bindend. Spezielle und verbindliche Anforderungen an die ventilator­gestützte Entlüftung von fensterlosen Bädern, Toilettenräumen und Küchen sind in der DIN 18017-3 festgehalten.

Lüftungskonzept steht am Anfang

Wenn die Grundzüge eines Gebäudes feststehen, ist der Zeitpunkt gekommen, ein Lüftungskonzept zu erstellen. Dieses dient dazu, das richtige Lüftungssystem auszuwählen und dessen Dimensionierung und Zuschnitt zu planen. Dafür werden auch die erforderlichen Luftvolumenströme für die einzelnen Räume berechnet. Dabei kann auch die praktische Nutzung berücksichtigt werden. Bei der sogenannten Bedarfsführung wird also auch ein wechselnder Lüftungsbedarf, beispielsweise zu bestimmten Tageszeiten, berücksichtigt.

Auch der Schallschutz muss hier bereits beachtet werden. Finanzielle Förderungen spielen ebenso eine Rolle, wenn beispielsweise vorbeiführende verkehrsreiche Straßen zusätzliche Anforderungen an die Art der Belüftung begründen.

Zentral oder dezentral?

Ob eine Lüftung raumweise erfolgt, eine gesamte Wohneinheit oder ein komplettes Gebäude umfassen soll, hängt von mehreren Faktoren ab. So ist die Wärmerückgewinnung aus warmer Raumluft in zentralen Lüftungssystemen besonders effizient. Gibt es ein zentrales Gerät für ein Mehrfamilienhaus, entfallen auch Wartungsarbeiten in den einzelnen Wohneinheiten. Teurer sind wohnungsbezogene zentrale Lösungen. Sie sorgen allerdings bauartbedingt in der Regel für höchste Luftqualität und Wohnkomfort.

Besonders flexibel einsetzbar und preiswert sind dezentrale Push-and-Pull-Systeme, wie sie auch bei Schlagmann als Systemlösung unter dem Namen Aireco verfügbar sind. Hier sorgen jeweils zwei gegenläufig arbeitende Einheiten dafür, dass die benötigte Frischluft einströmt und verbrauchte Luft ins Freie befördert wird. Ein integriertes keramisches Bauteil nutzt die Abwärme zur Temperierung der einströmenden Luft. Weitere Vorteile sind die vielfältigen gestalterischen Möglichkeiten, die mögliche Integration in Rollladen- oder Raffstorenkästen sowie der geringe Installationsaufwand.


Typische Fehler vermeiden

Welches Lüftungssystem Kosten und Nutzen optimiert, hängt von der Auslegung des jeweiligen Bauvorhabens und der genauen Nutzung ab. Pauschale Aussagen sind deshalb nicht möglich, eine individuelle Betrachtung ist unverzichtbar. Wichtig ist aber immer die richtige Dimensionierung. Bei der Ermittlung der nötigen Luftvolumenströme werden am häufigsten Fehler gemacht. Eine weitere Fehlerquelle besteht darin, dass Lüftungssysteme in verschiedenen Wohnbereichen nicht korrekt aufeinander abgestimmt sind und so unerwünschte Luftströme entstehen. Das kann zu Effizienzverlusten und schlechterem Raumklima führen.

Im Nachhinein schwer zu beheben sind Lärmprobleme. Empfinden die Nutzer eine Lüftungsanlage als störend, wird diese häufig abgeschaltet. Deshalb ist der richtige Einbau von Schalldämpfern von großer Bedeutung, sowohl gegen Außengeräusche wie auch gegen Eigengeräusche einer Lüftung. Damit diese ihre optimale Wirkung entfalten kann, ist auch ein Verständnis für deren Funktionsweise notwendig. Die Nutzerinnen und Nutzer sollten daher unbedingt eine nachvollziehbare und kompetente Einweisung erhalten.

Das komplette Webinar mit Beispielen und Detailinformationen gibt es im Video der Schlagmann-Mediathek.

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