Was die Baubranche bremst

Zu viele ungenutzte Potenziale

18.12.2025

Zügel in die Hand nehmen

Wenn 60 Prozent der befragten Unternehmen damit rechnen, in den kommenden Jahren ihr Geschäft neu ausrichten zu müssen, dann befindet sich eine ganze Branche im Wandel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage der PricewaterhouseCoopers GmbH Wirtschafts­prüfungs- und Beratungsgesellschaft (PwC Deutschland) unter 100 Bau­unter­nehmen und Planungsbüros. Es sind vielfältige Gründe, die von den befragten Firmen für die notwendige Neuorientierung angeführt werden. Etliche Faktoren wirken von außen auf die Branche ein, es gibt aber auch hausgemachte Ursachen.

Kosten machen Druck

85 Prozent der Unternehmen spüren laut der Umfrage einen zunehmenden Kostendruck. Eng damit verknüpft sein dürften weitere Themen, die ebenfalls sehr häufig genannt wurden: 81 Prozent beklagten eine Instabilität in der Planung durch den Wegfall von Projekten. Tatsächlich bereits von Umsatzeinbrüchen und der Verschiebung von Projekten betroffen sind demnach 69 Prozent der Befragten (siehe Grafik 1), was einen neuen Höchststand im Fünf-Jahres-Vergleich darstellt. „Nach dem Teil-Kollaps der Lieferketten und dem Zinsschock folgen nun die Auswirkungen der schwachen konjunkturellen Entwicklung“, sagt Mitautorin Rebekka Berbner zu den Hintergründen.

Schlagmann Grafik

Keine Innovation ohne Fachkräfte

Ein weiteres großes Thema ist der Fachkräftemangel. Er ist nicht nur ein Hemmnis auf den Baustellen, sondern erschwert auch die dringend erforderliche digitale Transformation der Branche. Gerade in Zeiten des Umbruchs erkennen viele Unternehmen in digitalen Technologien ein großes Potenzial. Zugleich bescheinigen sie sich aber im Vergleich zu den damit verbundenen Möglichkeiten erhebliche Defizite in den eigenen Fähigkeiten, diese auch tatsächlich zu nutzen. 82 Prozent der Unternehmen bezeichnen das fehlende fachliche Know-how als Hauptproblem bei der Umsetzung der Digitalisierung – weil die entsprechend qualifizierten Fachkräfte fehlen.

Kluft zwischen Potenzial und Fähigkeiten

Die Schere zwischen den Potenzialen digitaler Prozesse und den Kompetenzen im eigenen Betrieb ist der Umfrage zufolge besorgniserregend groß. Beispiel Künstliche Intelligenz: Hier vermuten zwei Drittel der Unternehmen eher großes oder sehr großes Potenzial für den Bereich, in dem sie tätig sind. Gleichzeitig verfügen nach eigener Einschätzung aber nur 9 Prozent über sehr starke oder eher starke Fähigkeiten auf diesem Gebiet.

Ähnlich ausgeprägt ist diese Kluft bei den Themen „Simulation und Visualisierung“, Echtzeit-Reporting oder IoT-Lösungen auf Baustellen (siehe Grafik 2). Auch bei BIM (Building Information Modeling) gibt es wenig Fortschritte. In den vergangenen Jahren hat diese Technologie laut der Umfrage weder eine Steigerung in ihrem Mehrwert erfahren, noch konnten die Unternehmen ihre Kompetenzen in diesem Bereich ausbauen.

Branche auch selbst gefordert

Als Begründung für fehlende Fortschritte bei der Digitalisierung nennen die befragten Unternehmen auch externe Faktoren. So zeigten Bauherren wenig Interesse daran, ihre Projekte digital abzuwickeln. Und auch in Vergabeverfahren würden digitale Lösungen noch viel zu selten nachgefragt. Neun von zehn Befragten fordern den Abbau bürokratischer und regulatorischer Hürden sowie den Ausbau der digitalen Infrastruktur, um die Digitalisierung voranzutreiben.

Die Studienautoren nehmen aber auch die Branche selbst in die Verantwortung. Sie agiere zu träge und nutze ihre Möglichkeiten nicht. „Das verhindert die dringende Steigerung der Produktivität“, findet Christian Eisholz von PwC Deutschland. „Die Bauindustrie muss die Zügel selbst in die Hand nehmen und entschlossen in ihre digitale und nachhaltige Transformation investieren“, meint auch Rebekka Berbner.

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