Um 10 % Kostensenkung im Neubau zu erreichen
Dem Münchner Stadtrat geht Effizienz vor Ideologie
16.07.2025Einigkeit im Ziel
Wie kann die kommunale Wohnungsbaugesellschaft Münchner Wohnen preisgünstiger bauen und damit mehr Wohnraum schaffen? Zu dieser Frage berief Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter im Sommer vergangenen Jahres mehrere interfraktionelle Arbeitskreise ein. Als der Stadtrat vor einigen Wochen über die Ergebnisse zu befinden hatte, gab es eine breite parteiübergreifende Mehrheit für neue Vorgaben an die stadteigene Baugesellschaft. Das klar formulierte Ziel: eine Kostensenkung um 10 Prozent bei künftigen Neubauvorhaben.
Kostenfaktor Holzbauweise
Wie die Süddeutsche Zeitung berichtete, werden insbesondere für den Wohnungsbau einige Regeln flexibler gestaltet oder Anforderungen abgesenkt. Das Ziel, dass bei der Vergabe städtischer Grundstücke 50 Prozent der Neubauten in Holzbauweise entstehen sollen, wird nun unter einen Wirtschaftlichkeits- und Klimavorbehalt gestellt. Die Münchner Wohnen soll künftig für jedes Projekt prüfen, welche Bauweise am wirtschaftlichsten ist. Sie hatte ermittelt, dass der Bau eines Hauses mit mehr als 50 Wohneinheiten in Holzbauweise zwischen 11 und 12 Prozent teurer ist als in konventioneller Bauweise. Sowohl in der Errichtungsphase als auch dann in der Nutzungsphase verursacht die Holzbauweise höhere Kosten. Dadurch bekommt jetzt die einschalige Ziegelbauweise wieder die Möglichkeit Ihre Wirtschaftlichkeit zu beweisen.
EH 55 wieder möglich
Mit Blick auf den Klimaschutz soll in Zukunft die „größtmögliche stoffliche Substitution CO2-relevanter Materialien“ ausschlaggebend sein, die auch mit anderen Baustoffen erreicht werden kann. Anstelle des bisher für die Münchner Wohnen vorgegebenen Effizienzhausstandards EH 40 können künftig auch wieder Gebäude nach dem EH 55-Standard geplant werden, wenn dies trotz entfallender Fördergelder zu Einsparungen führt. Somit wird es wieder möglich, viele der neuen Wohnungsbauprojekte von Münchner Wohnen in einschaliger Massivbauweise zu bauen.
Mobilität mit weniger Stellplätzen
Auch bei den Stellplätzen und Lärmschutzmaßnahmen sieht der Stadtrat Sparpotenziale, obwohl sich die Münchner Wohnen schon bisher in diesen Bereichen an den vorgeschriebenen Mindeststandards orientiert hat. Künftig soll verstärkt über Quartiersgaragen anstelle von Stellplätzen für ein bestimmtes Gebäude nachgedacht werden, kombiniert mit quartiersbezogenen Mobilitätskonzepten. Die Erfordernisse an passiven Lärmschutz sollen auch durch Maßnahmen wie Tempolimits in der Bauleitplanung so weit wie möglich reduziert werden.
Klimaschutz weiter im Blick
Dass manche der vorgeschlagenen Maßnahmen zur Kostenreduzierung „zwangsläufig mit den Zielen zur Erreichung von Klimaneutralität“ kollidierten, wie es in der Sitzungsvorlage hieß, war allen Beteiligten bewusst. Die Vorschläge zielten jedoch darauf ab, beide Anforderungen im Auge zu behalten: dringend benötigten preisgünstigen Wohnraum zu schaffen und eine weitere Klimaerwärmung zu verhindern. Dafür sollten auch Bestandsgebäude wo immer möglich erhalten und innovativ umgenutzt werden.
