Schlagmann Poroton - Das GEG wird kommen

Das GEG wird kommen.

 
Das GEG wird kommen. Aber wie? Wir schauen in den Entwurf:

Mit dem GebäudeEnergieGesetz wird das Energieeinsparrecht für Gebäude strukturell neu konzipiert und vereinheitlicht. Es führt das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Gesetz zur Förderung Erneuerbarer Energien im Wärmebereich (EEWärmeG) in einem neuen Gesetz zur Einsparung von Energie und zur Nutzung Erneuerbarer Energien zur Wärme- und Kälteerzeugung in Gebäuden (GEG) zusammen.
Der Anlass für die Zusammenführung der bestehenden Gesetze zum GEG ist die von der EU-Gebäuderichtlinie geforderte Festlegung des energetischen Standards eines Niedrigstenergiegebäudes für Neubauten. Gleichzeitig sollen mit dem Zusammenlegen der bisherigen Gesetze die Anwendung und damit der Vollzug des Energieeinsparrechts vereinfacht werden.
Die wichtigsten Neuerungen des GEG-Entwurfs, der 113 Paragrafen und 10 Anlagen beinhaltet, werden im Folgenden zusammenfassend dargestellt. Da es sich hierbei lediglich um einen Referentenentwurf handelt, kann davon ausgegangen werden, dass es im Laufe des weiteren Prozesses noch zu Änderungen kommen kann.
 
Anforderungen an Neubauten

Künftig soll für die Errichtung neuer Gebäude ein einheitliches Anforderungssystem gelten. Dieses basiert auf einer, gegenüber der Energieeinsparverordnung von 2013, weitgehend unveränderten Referenzgebäudebeschreibung. Die technische Referenzausführung zur Wärmeerzeugung allerdings wird bei Wohngebäuden und Zonen von Nicht-Wohngebäuden mit Raumhöhen bis zu 4 Metern von einem Öl-Brennwertheizkessel auf einen Erdgas-Brennwertheizkessel umgestellt. Die Referenzausführung für Wohngebäude wird außerdem um Systeme für die Gebäudeautomation erweitert. Die zum 1. Januar 2016 in Kraft getretene Verschärfung der primärenergetischen Neubauanforderungen um 25 % bleibt bestehen. Dies gilt auch für die seit Anfang 2016 verschärften Anforderungen an den baulichen Wärmeschutz. Bei Wohngebäuden darf der spezifische Transmissionswärmeverlust des Referenzgebäudes nicht überschritten werden. Bei Nicht-Wohngebäuden bleiben die mittleren Wärmedurchgangskoeffizienten unverändert. Gebäude mit einer Raumhöhe von über 4 Metern, die mit dezentralen Gebläse- und Strahlungsheizungen beheizt werden, werden von der Pflicht zur anteiligen Nutzung erneuerbarer Energien befreit.
 
Niedrigstenergiegebäude ab 2019/2021

In der EU-Gebäuderichtlinie werden die Mitgliedstaaten verpflichtet, zu gewährleisten, dass ab Anfang 2021 alle neuen Gebäude als Niedrigstenergiegebäude ausgeführt werden. Diese Pflicht gilt für Nicht-Wohngebäude der öffentlichen Hand schon ab Anfang 2019. Mit folgender Begründung soll mit dem GEG der Niedrigstenergiegebäude-Standard für alle zu errichtenden Gebäude in einem Schritt eingeführt werden, womit die seit Anfang 2016 geltenden Neubauanforderungen für ausreichend erklärt werden. „Die mit dem Gebäudeenergiegesetz unverändert fortgeführten energetischen Anforderungen an neue Gebäude erfüllen die Kriterien der EU-Gebäuderichtlinie für das Niedrigstenergiegebäude. Die Integration von Energieeffizienz und erneuerbaren Energien in einem einheitlichen Anforderungssystem deckt sich mit dem Ansatz der EU-Gebäuderichtlinie. Gutachterliche Wirtschaftlichkeitsuntersuchungen bestätigen, dass das gültige wirtschaftliche Anforderungsniveau nach wie vor das in der EU-Gebäuderichtlinie verankerte Kriterium der Kostenoptimalität erfüllt.“
 
Primärenergiefaktoren

Der Jahres-Primärenergiebedarf bleibt die wichtigste Anforderungsgröße für die Energieeffizienz von Gebäuden. Die Primärenergiefaktoren werden direkt im GEG geregelt, bleiben aber im Großen und Ganzen unverändert. Eine Neuregelung gibt es bei der aus dem Netz bezogenen Biomasse. Hier darf ein Primärenergiefaktor von 0,6 in der energetischen Bilanzierung angesetzt werden, wenn die Biomasse in einer KWK-Anlage genutzt und der Einsatz von Lieferanten über ein Massebilanzsystem nachgewiesen wird. Ebenfalls darf ein Primärenergiefaktor von 0,6 für einen mit Erdgas beheizten Neubau angesetzt werden, wenn dort eine KWK-Anlage betrieben wird, aus der bestehende Nachbargebäude mitversorgt werden, und wenn dadurch in Bestandsgebäuden Altanlagen mit einer schlechten Energieeffizienz ersetzt werden.
 
Primärenergiefaktoren für Fernwärmenetze

Hier gibt es eine Umstellung bei der Methode für die Berechnung der Primärenergiefaktoren. Für Fernwärmenetze, in denen Wärme aus KWK genutzt wird, muss ab 2021 die sogenannte Carnot-Methode zur Berechnung des Primärenergiebedarfs verwendet werden. Man geht davon aus, dass die neue Berechnungsmethode für viele Fernwärmenetze zu einer Erhöhung der Primärenergiefaktoren führen wird. Eine Übergangsregelung soll dabei gewährleisten, dass vorab ermittelte Primärenergiefaktoren bis Ende 2024 angewendet werden dürfen. Als Untergrenze für den Primärenergiefaktor wird ein Wert von 0,3 angesetzt.
 
CO2-Emissionen und Quartiersansatz

Mit dem GEG soll eine Umstellung der Anforderungssystematik auf CO2-Emissionen geprüft und bis Anfang 2023 eingeführt werden. Dazu soll es bis Ende 2023 möglich sein, dass durch eine Befreiung der zuständigen Behörde die Anforderungen des GEG nicht über den Primärenergiebedarf, sondern über ein auf die Begrenzung der Treibhausgasemissionen ausgerichtetes System nachzuweisen ist, sofern die Gleichwertigkeit der Anforderungen gegeben ist. Der Endenergiebedarf des Gebäudes darf dabei bei Neubauten den 0,75-fachen und bei Sanierungen den 1,4-fachen Wert des Endenergiebedarfs des Referenzgebäudes nicht überschreiten.
Mit dem Quartiersansatz soll ermöglicht werden, dass bei einer Änderung von bestehenden Gebäuden die Einhaltung der energetischen Anforderungen über eine gemeinsame Erfüllung im Quartier sichergestellt wird. Vereinbarungen über eine gemeinsame Wärmeversorgung sollen der Stärkung von quartiersbezogenen Konzepten dienen.
 
Nutzung erneuerbarer Energien

Die Anforderungen zur anteiligen Nutzung von erneuerbaren Energien entsprechen im Wesentlichen den bestehenden Regeln im EEWärmeG und beziehen sich wie bisher ausschließlich auf Neubauten sowie Gebäude der öffentlichen Hand, die grundlegend renoviert werden. Die bei einem Neubau bestehende Pflicht zur Nutzung erneuerbarer Energien kann künftig auch durch die Nutzung von gebäudenah erzeugtem Strom aus erneuerbaren Energien erfüllt werden. Der Deckungsanteil muss dabei mindestens 15 % des Wärme- und Kältebedarfs betragen. Wenn mindestens 0,02 kW Nennleistung je Quadratmeter Gebäudenutzfläche installiert werden, kann bei Wohngebäuden mit einer PV-Anlage der Nachweis auch alternativ über die Anlagengröße geführt werden.
 
Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien

Zukünftig soll die Anrechnung von Strom aus erneuerbaren Energien in der energetischen Bilanzierung des Gebäudes auf der Ebene der Primärenergie erfolgen. Die Anrechenbarkeit wird jedoch ausgeschlossen, wenn gebäudenah erzeugter Strom aus erneuerbaren Energien für die Raumwärme verwendet wird.
 
Anforderungen an Bestandsgebäude

Weitgehend unverändert bleiben die energetischen Anforderungen und Pflichten im Gebäudebestand. Bei Erweiterungen und Ausbauten bestehender Gebäude gibt es künftig keinen Unterschied zwischen Erweiterungen mit oder ohne neuen Wärmeerzeuger. Für den gesamten hinzukommenden Gebäudeteil werden Anforderungen mit dem Bezug zum baulichen Wärmeschutz des Referenzgebäudes gestellt. Der bisherige Nachweis über eine gesamtenergetische Bilanzierung des hinzukommenden Gebäudeteils entfällt.
 
Berechnungsverfahren

Der aktuelle Entwurf des GEG verweist für die Berechnung des Jahres-Primärenergiebedarfs auf die Neufassung der DIN V 18599 vom September 2018. Ein neues Modellgebäudeverfahren enthält der Entwurf des GEG für Wohngebäude. Der Nachweis der aktuellen Anforderungen kann hierbei alternativ gegeben werden. Das bisherige Modellgebäudeverfahren wird erweitert um die Anforderungen an die Nutzung erneuerbarer Energien. Den Modellberechnungen liegt die DIN V 18599: 2018-09 zugrunde.
Bei Nicht-Wohngebäuden bleibt das vereinfachte Verfahren erhalten. Eine Bewertung auf Basis von Simulationsberechnungen, bei der Verwendung von Komponenten, die nach den Normen zur energetischen Bilanzierung nicht abbildbar sind, hat sich nicht bewährt. Deshalb können nun ersatzweise Komponenten mit ähnlichen energetischen Eigenschaften angesetzt werden. Das alte Berechnungsverfahren für Wohngebäude nach DIN 4108-6 und DIN 4701-10 ist weiterhin für nicht gekühlte Wohngebäude zulässig.
 
Energieausweise

Die Anforderungen zur Vorlage eines Energieausweises beim Verkauf oder der Vermietung sowie zu Pflichtangaben in Immobilienanzeigen werden auch auf Immobilienmakler ausgeweitet. Mit einem Bußgeld hat man zu rechnen, wenn der Sorgfaltspflicht beim Ausstellen von Energieausweisen nicht genügend Rechnung getragen wird. Eine Vor-Ort-Begehung oder geeignete Fotos sollen die Beurteilung der energetischen Eigenschaften des Gebäudes ermöglichen und die Qualität der Modernisierungsempfehlungen verbessern.
Die im Energieausweis zu tätigenden Angaben sind genau geregelt und verlangen neben der verbindlichen Angabe von CO2-Emissionen auch Angaben zu inspektionspflichtigen Klimaanlagen sowie zum Datum der nächsten Inspektion.
Die Einteilung der Effizienzklassen für Wohngebäude ist auf den Primärenergiebedarf bzw. den Primärenergieverbrauch ausgerichtet. Bei der Ausstellung der Energieausweise wird nicht mehr zwischen Wohngebäuden und Nicht-Wohngebäuden unterschieden.
 
Sonstiges

Das Maß der Dämmstärke für wärmeführende Leitungen wird ersetzt durch die längenbezogene Wärmedurchgangszahl, die als Mittelwert für das gesamte Leitungsnetz eingehalten werden muss, sofern eine Dämmpflicht besteht. Eine allgemeine und vollstreckbare Anordnungsbefugnis für Bauherren und Eigentümer, aber auch für Planer und Handwerker, soll sicherstellen, dass diese Maßnahmen auch vollzogen werden. Die eingeschränkte Berechtigung der zuständigen Behörden, für Stichprobenkontrollen von Energieausweisen, die betreffenden Grundstücke und Gebäude betreten zu dürfen, wurde im aktuellen Entwurf des GEG gestrichen.
 
Der Entwurf zum Download

Der Entwurf der Bundesregierung zum "Gesetz zur Vereinheitlichung des Energieeinsparrechts für Gebäude" steht hier als PDF zum Download für Sie bereit.
 
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