Schlagmann Poroton - Die Pläne der Groko werden an explodierenden Preisen scheitern

Die Pläne der Groko werden an explodierenden Preisen scheitern

 
Fachleute sehen zahlreiche Handicaps

Der Wohnungsbau-Tag in Berlin gilt als Branchen-Gipfel. Im März beim 10. Wohnungsbau-Tag war wenig zu spüren von dem, was die neue Bundesregierung an Aufbruchstimmung im Bausektor verbreiten will – das große Thema war Wohnungsmangel. Experten zeigten sich deutlich skeptisch, ob die neue Regierung ihre Ziele erreichen kann. Die Bedenken wurden mit zahlreichen Argumenten untermauert.


Fakten aus einer Studie

Material dafür lieferte die Studie „Das Baujahr 2018 im Fakten-Check“, die das Pestel-Institut aus Hannover und die Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen (ARGE Kiel) als Bauforschungseinrichtung gemeinsam präsentiert haben. In der Studie haben sie die Rahmenbedingungen zum Wohnungsbau untersucht: Wohnungs- und Baulandmangel, Baukostentreiber und Stadt-Land-Wohnen.
 
Regierung wird Ziele verfehlen

Das Verbändebündnis Wohnungsbau ist Veranstalter der Wohnungsbau-Tage. In einer aktuellen Presseerklärung machten die Veranstalter ihre Warnung deutlich: Es werde 2018 nicht gelingen, die jährliche Marke von 375.000 neu gebauten Wohnungen zu erreichen. Und so werde das von der Regierung gesetzte Ziel schon im ersten Jahr verfehlt. Keine Kaffeesatz-Leserei, sondern fundiert: Die Zahl der Baugenehmigungen ist im Jahr 2017 zurückgegangen, gegenüber dem Vorjahr um fast zehn Prozent auf 340.000.

Die Veranstalter warnten ganz deutlich vor „sozialem Sprengstoff“ durch den nach wie vor erheblichen Wohnungsmangel. Sie gehen davon aus, dass bundesweit mittlerweile rund eine Million Wohnungen fehlen. Deutschland brauche 400.000 Neubauwohnungen pro Jahr, tatsächlich würde viel weniger gebaut. „Wir haben dieses Jahrzehnt beim Wohnungsbau verloren“, heißt es in der Pressemitteilung. „Auch wenn der Wohnungsbau im letzten Jahr mit geschätzten 300.000 Neubauwohnungen endlich wieder zugelegt hat, ist das längst kein Grund zur Entwarnung.“
Besonders Sozialwohnungen fehlen

Eine wichtige Erkenntnis aus der Studie: Es fehlen sehr viele Sozialwohnungen. Inzwischen sind es in Großstädten bis zu 50 Prozent, mindestens aber ein Drittel der Haushalte, die wegen ihres Einkommens generell einen Anspruch auf eine Sozialwohnung hätten. Doch dieser Anspruch besteht nur auf dem Papier, denn es gibt die Wohnungen nicht: Unter den Mietwohnungen in Deutschland sind nur sechs Prozent Sozialwohnungen. Somit klaffe eine „gewaltige Versorgungslücke“. Das Verbändebündnis Wohnungsbau forderte, dass jede fünfte Wohnung, die neu gebaut wird, eine Sozialmietwohnung sein müsse. Es gab auch einen Appell an die Gesetzgeber: Der Bund müsse weiterhin eine Mitverantwortung für den sozialen Wohnungsbau tragen. Damit der soziale Wohnungsbau nicht ab 2019 alleinige Sache der Länder werde, müsse das Grundgesetz dringend geändert werden.
 
Kostenexplosion, besonders beim Bauland

Was den Wohnungsbau laut Studie besonders ausbremst: dass es an Bauland mangelt. Speziell in den Großstädten und Ballungsräumen seien die Preise für Bauland mittlerweile so hoch, dass bezahlbarer Wohnungsbau dort nicht mehr möglich sei. Außerdem gab es Kritik an den Städten und Gemeinden, weil sie zu wenig Land in Bauland umwandeln. Das verschärfe die Lage. Nur wenn zusätzliches Bauland auf den Markt komme, könne man spekulative Preisübertreibungen bremsen.
Mehr und günstigeres Bauland als Lösung

Welche enormen Entwicklungen die Preise zuletzt hatten, hat die Studie ebenfalls dokumentiert. Seit 1995 sind die Bauland-Preise um rund 170 Prozent gestiegen. Wenn in Großstädten neue Wohnungen gebaut werden, machen Grundstückskosten laut Studie schon jetzt knapp 20 Prozent der gesamten Investitionskosten aus, im Durchschnitt. Die Experten gehen davon aus, dass diese Entwicklung sich noch fortsetzen werde. Umso mehr forderte das Verbändebündnis Wohnungsbau deswegen Bund, Länder und Kommunen dazu auf, dass sie verbilligtes Bauland bereitstellen, damit dort bezahlbare Wohnen gebaut werden können – und zwar möglichst rasch.
 
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