Ziegelbauwerke sind enkeltauglich

Schlagmann-Geschäftsführer Johannes Edmüller ist neuer Präsident und Vorstandsvorsitzender des Bayerischen Ziegelindustrieverbandes BZV. In einem Interview der "Wirtschaftszeitung" des Mittelbayerischen Verlages bezeichnet er Ziegelbauwerke als enkeltauglich und gibt Auskunft über seine Themen und Ziele.

Herr Edmüller, ich gratuliere Ihnen zum neuen Vorsitz des Bayerischen Ziegelindustrieverbandes e. V. und stelle gleich die Frage: Was haben Sie in diesem Jahr vor?

Johannes Edmüller: Ich freue mich darüber und sehe es als ehrenvolle Aufgabe, den Bayerischen Ziegelindustrieverband in den nächsten Jahren bei den zukünftigen Herausforderungen, die auf die Bauindustrie zukommen werden, mit Rat und Tat zu unterstützen. Unsere Öffentlichkeitsarbeit fokussiert unter anderem die baukulturelle Bedeutung des Ziegels in Bayern. Hier gilt es, Architekten und Planern zu zeigen, dass mit modernen Ziegeln architektonisch hochwertige und bezahlbare Gebäude realisierbar sind. Weitere Verbandsthemen sind etwa eine gerechte Tarifpolitik sowie die vernünftige Rohstoffsicherung. Ferner möchten wir zusammen mit unseren Marktpartnern Rahmenbedingungen schaffen, in denen ein bezahlbarer Wohnungsbau möglich ist.

Warum ist die Ziegelindustrie für Bayern unverzichtbar?

Hier lasse ich am besten Zahlen sprechen: Mehr als die Hälfte, also rund 60 Prozent aller Wohngebäude in Bayern werden in Ziegelbauweise errichtet, in einigen Landkreisen sind es an die 70 Prozent. Das Bayerische Landesamt für Statistik meldete für 2018 insgesamt 15477 Wohngebäude, die in massiver Ziegelbauweise erstellt wurden. All das schlägt sich ebenso in hohen Beschäftigungszahlen nieder.

Der Klimawandel ist derzeit ein großes Thema. Welche Rolle spielt er für Sie und wie sieht Ihr Beitrag hierzu aus?

Die Wahrnehmung in der Bevölkerung bezüglich des Klimawandels nehmen wir uneingeschränkt ernst. Wir wollen „enkeltauglich“ sein und übernehmen deshalb auch Verantwortung. Als meist mittelständische, regional agierende Unternehmer, die mit Ressourcen und Rohstoffen verantwortungsbewusst und sorgsam umgehen, ist den bayerischen Ziegelherstellern Umweltschutz und damit auch der Klimawandel ein zentrales Anliegen. Neben der Verwendung von erneuerbaren Energien und Energiemanagementsystemen setzt man auf die Kompensation von CO2, um zukünftig immer mehr klimaneutrale Produkte anbieten zu können. Dafür laufen bayernweit verschiedene Forschungsvorhaben, die von der Bayerischen Ziegelindustrie aktiv unterstützt werden.

Wie sieht in diesem Zusammenhang eine moderne Logistik aus?

Zuerst einmal produzieren wir dort, wo unsere Tonvorkommen sind und unsere Kunden die Produkte auch verarbeiten. Weite Anfahrten sind in der Ziegelindustrie nicht das Problem. Doch zusätzlich werden digitale Logistiksysteme bei der Disposition der Fahrten eingesetzt, die die Vermeidung von Leerfahrten und eine Lieferung just in time auf die Baustelle ermöglichen. Der Wettbewerb ist hart.

Auf welche Innovationen sollte die bayerische Ziegelindustrie setzen?

Wir orientieren uns in erster Linie an den Bedürfnissen und Anforderungen unserer Kunden. Hier haben wir zuerst einmal die Verarbeiter, also den Handwerker vor Ort. Viele Bauunternehmen in Bayern leiden am eklatanten Fachkräftemangel. Wir versuchen, den Verarbeitern mit Vorfertigung zur Hand zu gehen. Das können vorverarbeitete Ziegel, die den Bauablauf beschleunigen, oder vorgefertigte ganze Wand-, Decken- und Dachelemente sowie Teilelemente sein, die auf der Baustelle nur noch versetzt werden müssen. Letztere verbinden die Vorteile eines qualitativ hochwertigen Ziegelmassivbaus mit denen einer effizienten industriellen Fertigteilbauweise und schaffen damit bezahlbaren, werthaltigen und langlebigen Wohnraum. Ein weiterer positiver Effekt von vorgefertigten Produkten ist die Vermeidung von Lärm- und Staubemissionen auf der Baustelle. Gerade in den Innenstädten belasten so Baustellen Nachbarn und Bauarbeiter deutlich weniger. Bei Bauherren, privat wie öffentlich, ist das Thema Wohngesundheit sehr präsent. Ziegel sind Naturprodukte, die auch mit ihren zusätzlichen mineralischen Füllungen nur gering ausdünsten und so die Innenraumluft nicht belasten. Hier bieten die meisten Ziegelhersteller den Verbrauchern aktuelle Prüfberichte unabhängiger Institute an. Zahlreiche bemerkenswerte Architekturen in Bayern zeugen zudem von der uneingeschränkten Aktualität des Ziegels. Als einer der Urbaustoffe in Bayerns Baukultur hat er es geschafft, als Hightechprodukt in allen Kategorien von hocheffizienten Gebäuden eingesetzt zu werden.
 

Text in der Wirtschaftszeitung auf Seite 27 lesen (PDF, 4,3 MB)



Wie sieht die Zukunft der Gewerke in dieser Branche aus und auf was kommt es hier im Bereich der Aus- und Fortbildung an?

Neben der Förderung des Maurernachwuchses, um den angesprochenen Mangel an Fachkräften auf den Baustellen aufzufangen, müssen auch die Inhalte der Ausbildung an die aktuellen Anforderungen angepasst werden. Der Maurerberuf ist nicht mehr wie gestern. In Deutschland gelten technisch und bauphysikalisch die höchsten Ansprüche an Gebäude weltweit. Folglich sind die Ausbildungsinhalte anzugleichen. Wir benötigen moderne Handwerker, die mit komplexen Vorgängen umgehen können, die digital denken und handeln können. Überdies gibt es profunde Weiterbildungsprogramme unserer Mitgliedsunternehmen. Zu den aktuellen Themen zählen etwa Digitalisierung, industrielle Vorfertigung, neue Auflagen in Normung und Gesetzgebung, aber auch die Klärung baurechtlicher Fragestellungen. Gleichzeitig investieren wir auch in den akademischen Nachwuchs. Mit dem Ziegel Zentrum Süd e. V. werden über die Grenzen Bayerns hinaus zukünftige Architekten sowie angehende Bauingenieure gefördert und mit dem Potenzial des Baustoffes Ziegel vertraut gemacht. Hier gilt es, vor allem durch ein weitreichendes Fortbildungsangebot die Mauerwerkslehre wieder besser in die Ingenieurstudiengänge zu integrieren.

Wie kann der digitale Wandel am besten genutzt werden?

Die Digitalisierung bietet uns vielfache Möglichkeiten. Innovative Modelle und Lösungen tragen zur Verbesserung bestehender Prozesse auf Baustellen bei. Diese sind heutzutage vernetzter, schneller und effektiver. Das ist vor allem wichtig, wenn es um die kostengünstige und hochwertige Errichtung von dringend benötigtem Wohnraum geht.

Wohin geht die Reise – gibt es einen globalen Trend?

Ein globaler Trend ist die Vorfertigung von Bauelementen bis hin zur Verarbeitung mit Robotern. Wir testen bereits aus, ob der Einsatz von Baurobotern zur Verarbeitung von Ziegeln sinnvoll sein kann. Doch ein Roboter wird nie alleine ein Haus bauen.


© WIRTSCHAFTSZEITUNG Mittelbayerischer Verlag KG
Interview: Francois Baumgartner
Foto: Anita Aigner
 
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