Einblicke in den Entwurf des neuen Gebäudeenergiegesetzes (GEG)

Was weiß man schon übers neue GEG?

In zwei Stufen soll das neue Gebäudeenergiegesetz kommen. Die erste könnte bald vorliegen. Das ist gut. Schließlich hofft die Branche darauf, dass das Gesetz noch vor dem Sommer verabschiedet wird. Klar ist bereits, dass das Gesetz etliche Veränderungen zum 1. Januar 2023 bringt. Für die Baubranche mit ihren Zyklen und Vorläufen sowieso eine knappe Frist – jede Woche früher wäre hilfreich, um sich auf die neuen Rahmenbedingungen einstellen zu können.

Ein Rückblick

Das GEG hat Ende 2020 eine ganze Reihe altvertrauter Vorgaben ersetzt: das Energieeinsparungsgesetz (EnEG), die Energieeinsparverordnung (EnEV) und das Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (EEWärmeG). Der Koalitionsvertrag der Berliner Ampel kündigte im November 2021 an, dass das GEG für Gebäude nachgeschärft werden soll, um den Klimaschutz bei Gebäuden schneller voranzubringen. Das Ministerium für Wirtschaft und Klimaschutz kündigte Anfang Januar 2022 an, dass das GEG noch 2022 geändert wird. Als das Ministerium am 24. Januar einen sofortigen Antrags- und Zusagestopp in der BEG verkündete (Bundesförderung für effiziente Gebäude), koppelte es daran den Hinweis, dass das Effizienzhaus 55 kurzfristig zum Mindeststandard werden soll. Das präzisierte sich im März, als die Koalition das so genannte Entlastungspaket brachte, mit dem sie auf die Energiepreise und die Problematik mit russischem Erdgas reagierte. In diesem Papier legte sich die Regierung bereits darauf fest, dass der Standard Effizienzhaus/-gebäude 55 zum neuen, verpflichtenden Standard für Neubauten werden soll – und zwar schon zum Jahresbeginn 2023.

Strenger für Wohngebäude und für Nichtwohngebäude

Diese Linie findet sich nun auch in den Referenten-Entwürfen für die GEG-Novelle, die seit Ende April in Berlin kursieren: Demnach wird der Primärenergiebedarf für Neubauten gesenkt, von bislang 75 Prozent des Primärenergiebedarfs des Referenzgebäudes auf 55 Prozent. Die Hüll-Anforderungen werden ebenfalls strenger. Bei Wohngebäuden soll der HT‘-Wert von bislang 1 auf dann 0,7 reduziert werden. Auch für Nichtwohngebäude macht der neue Entwurf strengere Vorgaben. Die mittleren U-Werte für Bauteilgruppen werden verschärft. Der Jahres-Primärenergiebedarf (Heizung, Warmwasserbereitung, Lüftung, Kühlung und eingebaute Beleuchtung) pro Jahr darf bei einem Nichtwohngebäude noch maximal halb so hoch liegen wie beim Referenzgebäude.
Weitere interessante Punkte aus dem Entwurf
 
  • Wer mit Strom Großwärmepumpen in Wärmenetzen betreibt, kann künftig wohl den Primärenergiefaktor von 1,2 (statt 1,8) ansetzen. Hier will die Gesetzes-Novelle eine bisherige Benachteiligung von Fernwärme aus Großwärmepumpen korrigieren. Außerdem werden dadurch Projekte möglich, die nach bisheriger Berechnung an der Rentabilität scheiterten.

  • Die Verschärfungen rund um Effizienzgebäude 55 gelten für alle Nachweisarten: auch im Modellgebäudeverfahren nach Anlage 5 sowie in der Innovationsklausel nach § 103. Wer das vereinfachte Verfahren nach Anlage 5 anwenden will, kann dabei keine Varianten mit Gasheizungen mehr wählen.

  • Änderungen kommen wohl bei der Anrechnung von EE-Strom nach § 23 Absatz 2 und 3: Diese Möglichkeit war mit dem neuen GEG erst etabliert worden und soll mit der geplanten Änderung schon wieder gestrichen werden. Denn die Praxis hat gezeigt, dass bei mehrgeschossigen Gebäuden das vorgegebene Bewertungsverfahren zu widersprüchlichen Ergebnissen führen kann. Somit war die Regelung nach BEG ohnehin nicht anwendbar. Dies ist einer der Punkte, in denen der neue Entwurf das GEG besser an die BEG-Regelungen angleicht.

  • Ähnliches bei Wärmebrücken: Künftig soll man, wie in der BEG, den Gleichwertigkeits-Nachweis für alle Wärmebrücken vorlegen. Auch dann, wenn die U-Werte niedriger sind als in den Musterkonstruktionen aus Beiblatt 2 zur DIN 4108.

  • Eine Klärung bringt der Entwurf zum Thema Gasgemische aus Erdgas und Biomethan: Der Primärenergiefaktor von gasförmiger Biomasse darf nur für den biogenen Anteil angesetzt werden, nicht fürs Gasgemisch. Hierzu war die bisherige Fassung nicht eindeutig genug.

  • Geplant sind außerdem befristete Erleichterungen für Gebäude, in denen Flüchtlinge untergebracht werden.
 
Datum: 24.05.2022
 
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