Worauf es bei Wärmebrücken jetzt ankommt

Tipp aus der Bauberatung, heute von Bernd Thalmayer

Ein topaktuelles Thema, weil es ans neue Gebäudeenergiegesetz (GEG) anknüpft: Wärmebrücken und deren Berechnung auf Basis des Beiblatts 2 zur DIN 4108.

Wo Wärmeströme durch Bauteile fließen, heißt es hinschauen – immer dann, wenn Geometrie, Materialien oder Konstruktion dafür sorgen, dass Wärme verloren geht oder Innenwände kühler sind. Bei Wärmebrücken wird der Wärmebrückenverlustkoeffizient bestimmt, der Psi-Wert (ψ). Das oberste Gebot für Planer ist immer die Tauwasserfreiheit, um Schimmel zu vermeiden.

Stichtage für den Wechsel

Für den Wechsel vom alten aufs neue Beiblatt gibt es einen Stichtag. Wer den Bauantrag nach dem 1.11.2020 eingereicht hat, wendet das GEG an und damit das neue Beiblatt. Achtung bei Gebäuden, die der KfW-Effizienzhaus-Berechnung folgen: Diese möchte die KfW bis Mitte des Jahres noch nach der EnEV gerechnet bekommen. Die KfW verweist in den FAQ auch bereits auf das neue Beiblatt 2:2019-06.

Verluste über Wärmebrücken werden in den Berechnungen inzwischen auf andere Weise berücksichtigt als zuvor. Die alte EnEV arbeitete mit höheren pauschalen Zuschlagsätzen und unterschied zwischen nachweisfreien Formen und solchen mit Nachweis. Nur wer einen detaillierten Nachweis führte, konnte sich gegenüber den Pauschalen verbessern.
Neue Werte, neue Wege

Das neue Beiblatt unterteilt die Wärmebrücken in 2 Kategorien (A+B), wodurch unterschiedliche pauschale Zuschläge generiert werden. Man kann so auch schon über pauschale Zuschläge in den Effizienzhaus-Bereich gelangen. Weiterhin ist der detaillierte individuelle Nachweis der Königsweg. Sich auf den reinen Nachweis der Tauwasserfreiheit zu beschränken, ist nicht mehr attraktiv. Dann wäre der Zuschlag so hoch, dass man zum Ausgleich deutlich besser dämmen oder einen deutlich besseren U-Wert anstreben müsste.

Die wesentlichen Neuerungen kompakt

Vergleicht man das neue Beiblatt von 2019 mit dem Vorgänger aus dem Jahr 2006, gibt es einige zentrale Unterschiede: Es sind nun 214 statt früher 77 Seiten. Es werden 399 Details beschrieben, in der früheren Version nur 95 – was sehr viel genaueres Arbeiten ermöglicht. Und vor allem war der energetische Standard von 2006 bei 0,05 W/m2K. In der neuen Version gibt es neben 0,05 W/m2K als Kategorie A auch eine Kategorie B mit 0,03 W/m2K, die neue Berechnungsvarianten ermöglicht.

Hinzu gekommen sind Themen wie Anschlusssituationen für Tiefgaragen, Innenwand, zweischalige Haustrennwände oder Pfosten-Riegel-Fassaden. Für den detaillierten Nachweis sind in der neuen Version Hinweise eingearbeitet worden, außerdem Formblätter für den Gleichwertigkeitsnachweis und den detaillierten Nachweis.
 
Vorteile für Ziegel

Für den Mauerwerksbereich wurden praxisnah verbesserte Wärmeleitzahlen hinterlegt. Außerdem gibt es erstmals einen Wärmedämmstein.

Schlagmann hat die geänderten Vorgaben voraus- und mitgedacht: Es gibt inzwischen eine große Auswahl an Zubehörteilen, die dazu beitragen, die energetischen Werte zu verbessern in Richtung Effizienzhäuser. Darunter die neue POROTON®-Stützendämmschalung, Kimmziegel für ungedämmte Bodenplatten oder Tiefgaragendecken, die neuen Raffstore- und Rollladenkästen, auch bewährtes wie Deckenrandschale, Anschlagschale, Höhenausgleichsziegel und Dämmschale Vario.

Ein nützlicher Helfer ist das kostenlose Ziegel-Wärmebrückentool, in dem viele Details aus dem neuen Beiblatt hinterlegt sind und das die Berechnung sehr erleichtern kann.

Bernd Thalmayers Tipps für die Praxis gibt es im Video des Webinars aus der Bauberatung.
Datum: 23.03.2021
 
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