Wärmebrücken detailliert betrachten – oft eine gute Idee

Sparen, aber richtig

Ein paar hundert oder auch tausend Euro kann es schon kosten, sich Wärmebrücken detailliert berechnen zu lassen. Eine Ausgabe, die viele Bauherren und Auftraggeber eher scheuen. Denn in dieser Phase sieht es preisgünstiger aus, kurzerhand die pauschalen Zuschläge anzusetzen.

Aber das ist kurzsichtig. Denn in aller Regel fällt die Bewertung der Gebäudehülle schlechter aus, wenn mit den Pauschalen gerechnet wird. Na klar – bei den Pauschalen sind Toleranzen mit einkalkuliert. Außerdem sind die Dämmeigenschaften hochwertiger Produkte in der Praxis oft besser, als sie in den Tabellen des Regelwerks hinterlegt sind. Auch da lohnt es sich, den höheren Aufwand zu betreiben und alles konkret zu berechnen.

Die Nachteile durch Pauschalen fallen umso stärker ins Gewicht, je höher der energetische Standard des Gebäudes ist: Experten raten inzwischen klar davon ab, KfW-Effizienzhäuser mit pauschalen Zuschlägen zu berechnen. Und auch nach EnEV geplante Häuser kommen auf bessere Ergebnisse, wenn man die Pauschalen beiseitelässt und die Wärmebrücken detailliert berechnet. Ganz konkret: Bei einem KfW-Effizienzhaus 55, 40 oder einem Passivhaus bewirken die pauschalen Zuschläge (0,05 W/(m²K) beziehungsweise 0,03 W/(m²K)), dass man sich um 30 Prozent oder mehr verschlechtert.
Wegen der Pauschalen mehr dämmen?

Und das hat Folgen. Folgen, die Geld kosten: Denn allein durch das Verfahren hat das Haus ja einen höheren verfahrensbedingten Transmissionswärmeverlust. Den muss man kompensieren. Dafür muss besser gedämmt werden – entweder indem man die Dicke einer Dämmung erhöht oder aber indem man Dämmstoffe mit niedrigerer Wärmeleitfähigkeit verwendet. Beides macht sich beim Budget negativ bemerkbar. Noch eine ungute Konsequenz: Die gesetzlichen Anforderungen beziehen sich ja auch auf den Primärenergiebedarf – und darum wird plötzlich teure, nicht selten auch in überdimensionierte Haustechnik angeschafft.

 
Wann und in welchen Konstellationen rechnet sich der Aufwand für die detaillierte Berechnung?

Das war jüngst Thema eines Fachartikels auf www.geb-info.de, einem Portal für Energieberater. Ein Experte hat verglichen: zwei unterschiedliche Gebäude (Ein- und Mehrfamilienhaus) sowie vier verschiedene Berechnungsverfahren: zwei Varianten mit Pauschale, eine detaillierte mit Referenzprofilen und eine detaillierte mit tatsächlichen Produktwerten.

Beim Einfamilienhaus senkte sich der relevante ΔUWB-Wert schon durch Referenzprofile und fiel noch weiter durch die tatsächlichen Produktwerte. Beim Mehrfamilienhaus war es ähnlich. Der Autor verweist auf einen Weg, mit dem man Zeit sparen kann: Mit einem digitalen Wärmebrückenatlas könne eine detaillierte Wärmebrückenberechnung sogar schneller gelingen als der vereinfachte, bildliche Vergleich der einzelnen Wärmebrücken. Denn das digitale Werkzeug sei speziell dafür entwickelt worden, um die energetischen Vorteile hochwertiger Bauprodukte hervorheben zu können. Das schreibt der Autor Atilla Akarcay, der auch den Wärmebrückenatlas mit entwickelt hat.
Er verspricht Planern, dass sie eine detaillierte Wärmebrückenberechnung von gewünschten Einbau-Situationen mit einfachen Schritten machen können, dafür keine externe Software brauchen und auch kein vertieftes bauphysikalisches Wissen. Es dauere nur Sekunden. Man kann die Art der Wärmebrücke aus 27 Kategorien auswählen und dann einzelne Bauteile beliebig anpassen. Sobald die jeweilige Konstellation fertig konfiguriert ist, lassen sich die detaillierten Berechnungen innerhalb von wenigen Sekunden erzeugen. So sei der individuelle Wärmebrückenzuschlag mit wenigen Klicks zu ermitteln.
Datum: 19.10.2021
 
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