Umwelt-Auswirkungen von Baustoffen und Bauteilen

Tipp aus der Bauberatung, heute von Alfred Emhee
Um zumindest die schlimmsten Folgen des Klimawandels noch einzudämmen, muss die Menge an ausgestoßenem Kohlendioxid und anderer klimaschädlicher Gase jährlich sinken. Bereits in acht Jahren, also 2030, sollen die Gesamtemissionen in Deutschland gegenüber dem Jahr 1990 um 65 Prozent zurückgegangen sein. Bis 2045 sieht das Klimaschutzgesetz die vollständige Klimaneutralität vor.

Ambitionierte Ziele für den Gebäudesektor

Um das zu erreichen, wurden von der Bundesregierung für sechs Bereiche sogenannte Sektorenziele definiert. Der Gebäudebereich muss demnach seinen CO2-Ausstoß von 118 Millionen Tonnen im Jahr 2020 auf 67 Millionen Tonnen im Jahr 2030 reduzieren. Zum Vergleich: 1990 lag der Wert noch bei 210 Millionen Tonnen. Als eines von mehreren Steuerungselementen dient der europäische Emissionshandel. Er führt dazu, dass die produzierende Industrie heute bereits etwa 90 Euro für ein Zertifikat bezahlen muss, das zum Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid berechtigt. Für Privatverbraucher steigt der Preis pro Tonne CO2 kontinuierlich an, von aktuell 30 Euro auf eine Spanne zwischen 55 und 65 Euro ab dem Jahr 2026, was einem Aufschlag von etwa 15 Cent pro Liter Heizöl entspricht.

EPD bezieht die gesamte Lebensdauer ein

CO2-Bilanz von Baustoffen geht aus der Umweltproduktdeklaration, kurz EPD, hervor. Die Abkürzung EPD leitet sich von der englischen Bezeichnung Environmental Product Declaration ab. Eine solche EPD gibt es inzwischen für praktisch jeden Baustoff. Sie ist fünf Jahre gültig und öffentlich zugänglich, zum Beispiel auf den Internet-Seiten des Bundesministeriums für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen. Sie beschreibt die Auswirkung eines bestimmten Baustoffs auf Grundlage der DIN 15804 über dessen gesamten Lebenszyklus hinweg. Von der Gewinnung des Rohstoffs über die Herstellung und Transportwege bis zur Nutzungsphase einschließlich Unterhaltung und Erneuerung werden die Umweltauswirkungen betrachtet. Dabei geht es nicht nur darum, wieviel Kohlendioxid entsteht, sondern auch um andere umweltbelastende Faktoren, die in einem EPD einzeln aufgeschlüsselt sind.

Ebenso berücksichtigt wird die Entsorgung beim Rückbau eines Gebäudes, einschließlich des Potenzials für Wiederverwendung oder Recycling des jeweiligen Baustoffes. Was nicht in die Umweltproduktdeklaration einfließt, ist die eigentliche Nutzung eines Gebäudes, die je nach Gebäudezweck und Nutzerverhalten sehr unterschiedlich ausfallen kann.
Gesetzlich vorgeschrieben ist die Berücksichtigung der EPD bei Bauvorhaben derzeit nicht. Allerdings sind Bauherren verpflichtet, eine Nachhaltigkeitsbewertung ihres Vorhabens zu erstellen, wenn sie staatliche Fördermittel beantragen wollen. Denn aktuell können im Rahmen der BEG-Neubauförderung nur Anträge für die Effizienzhaus-Stufe 40 mit Nachhaltigkeits-Klasse gestellt werden. Hierdurch kommt den Umweltproduktdeklarationen eine zusätzliche Bedeutung zu.

Die Nutzungsphase entscheidet

In einer vergleichenden Betrachtung verschiedener Baustoffe und aus ihnen hergestellter Bauteile zeigt sich, dass sich die Umweltwirkungen für Bauten aus Stahlbeton, Holz oder Mauerwerk in den einzelnen Produktphasen teils deutlich unterscheiden. Betrachtet man hingegen einen 80-jährigen Lebenszyklus für ein Gebäude als Ganzes, fallen die Unterschiede deutlich geringer aus. So hat eine Studie für ein standardisiertes Mehrfamilienhaus ergeben, dass Mauerwerk bei den Umweltauswirkungen am besten abschneidet. Allerdings liegen die beiden anderen Bauweisen über die Gesamtlebensdauer „nur“ vier beziehungsweise sechs Prozent über der CO2-Bilanz von Mauerwerk.

Entscheidend für die Umweltbilanz eines Gebäudes ist also nicht allein die Wahl des Baustoffs. Vielmehr hängen die Auswirkungen auf Klima und Umwelt zu einem großen Teil von der Nutzungsphase ab. Das bedeutet, je höher der Energiestandard und je besser Qualität, Ausführung und Lebensdauer eines Gebäudes sind, desto größer fällt der Beitrag zum Klimaschutz aus. Gebäude werden über sehr lange Zeiträume genutzt. Daher kann erst die Betrachtung über den gesamten Lebenszyklus "von der Wiege bis zur Bahre" Aufschluss über die tatsächliche ökologische Qualität eines Gebäudes geben.

Noch ausführlicher wird das Thema im Video des Webinars aus der Bauberatung dargestellt.

 
Datum: 20.07.2022
 
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