Keine Umlage mehr für Erneuerbare – 6,6 Mrd. Euro Entlastung, vorerst

Womöglich nur eine kurze Verschnaufpause

Das sogenannte „Osterpaket“ der Bundesregierung aus dem Frühjahr 2022 soll vor allem die Stromerzeugung aus erneuerbaren Energien voranbringen. Dafür wird auch deren Finanzierung auf eine neue Grundlage gestellt. Seit dem Jahr 2000 beruhte sie unter anderem auf einer Umlage, die alle Stromkunden zahlen mussten. Dass diese EEG-Umlage mit Beginn des Jahres 2023 abgeschafft werden solle, stand bereits im Koalitionsvertrag der Ampel-Parteien. Angesichts der explodierenden Energiepreise infolge des Kriegs in der Ukraine hat die Regierung diesen Schritt auf den 1. Juli 2022 vorgezogen, um die Bürgerinnen und Bürger finanziell zu entlasten. 6,6 Milliarden Euro, die den Energieversorgern dadurch entgehen, erstattet ihnen der Bund aus dem Sondervermögen Energie- und Klimafonds.

Kunden müssen nicht extra informiert werden

Damit der Wegfall der Umlage in Höhe von zuletzt 3,72 Cent pro Kilowattstunde auch tatsächlich bei den Verbrauchern ankommt, wurden die Energieversorger per Gesetz dazu verpflichtet, die Preissenkung vollständig an ihre Kunden weiterzugeben. Ein Durchschnittshaushalt mit einem Jahresstromverbrauch von 3.500 Kilowattstunden spart dadurch netto rund 130 Euro pro Jahr, inklusive Mehrwertsteuer 155 Euro jährlich oder knapp 13 Euro pro Monat. Darüber informieren muss der Strom-Lieferant seine Kunden nicht. Es reicht, wenn die Preissenkung vom 1. Juli 2022 an in der nächsten Abrechnung entsprechend ausgewiesen wird. Gleichzeitige Preiserhöhungen zum 1. Juli wurden gesetzlich untersagt.

Mit ihnen müssen aber viele Stromkunden im weiteren Verlauf des Jahres rechnen. Die meisten Experten rechnen damit, dass die Streichung der EEG-Umlage lediglich den starken Preisanstieg für Strom etwas dämpfen kann, der aus den drastisch gestiegenen Beschaffungskosten auf den Strommärkten resultiert. Im Sommer 2022 sind die Preise an der Strombörse im Vergleich zum Vorjahr rund viermal so hoch.
Langfristig billiger mit Erneuerbaren

Das liegt nicht daran, dass in Deutschland der Anteil regenerativer Energiequellen an der gesamten Stromerzeugung inzwischen bei nahezu 50 Prozent liegt. Strom, den neue Anlagen aus Wind oder Sonne produzieren, kostet nur 4 bis 5 Cent pro Kilowattstunde. Den Preis im Handel bestimmt aber das teuerste Kraftwerk im jeweiligen Marktgebiet. Und das sind stets die fossilen Kraftwerke. Deshalb sinken die Strompreise nur in Phasen, in denen der komplette Verbrauch aus Ökostrom gedeckt werden kann. Das ist bisher nur an besonders sonnigen und windigen Tagen, vor allem an Wochenenden und Feiertagen, der Fall. Weil der Bau neuer Ökostromkraftwerke Zeit benötigt, rechnen die Experten damit, dass die Preise im langfristigen Stromeinkauf erst von 2024 an allmählich wieder sinken werden – vorausgesetzt, dass weder Fachkräftemangel noch Lieferschwierigkeiten den Neubau solcher Anlagen noch weiter verzögern.

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Datum: 20.07.2022
 
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