Frühling: Spechte auch in Fassaden auf Wohnungssuche

Außen rau, innen weich: So lieben es die Spechte

Bei Spechten ist es auch nicht anders als bei anderen Leuten: Sie brauchen ein Zuhause. Ein einzelner Specht baut oft sogar mehrere Höhlen – das gehört zum Balz-Zeremoniell. In die leeren Höhlen ziehen später sehr gern andere Tiere ein. Besonders die jungen Spechte sind es, die im Frühjahr unterwegs sind, um ein eigenes Revier und ein Zuhause zu finden. Und gerade sie bauen emsig. Das erklärt der Landesbund für Vogelschutz Bayern in seiner neuen Broschüre über „Spechte als Fassadenhacker“.

Wärmedämm-Verbundsysteme erinnern den Specht an Bäume

Wenn sie im Bau-Modus sind, kommen den Spechten offenbar Fassaden aus Wärmedämm-Verbundsystemen gerade recht. Weil die an Bäume erinnern, wissen die Vogelschützer: Außen der Putz ist schön rau, fast wie Rinde. Und dahinter wird es weich. Das Dämm-Material hat eine ähnliche Konsistenz wie Holz, wenn es vermodert und weicher wird. Genau so mögen es Spechte. Die Vögel würden auch gern in echten alten Bäumen wohnen. Aber solche, die sich dafür eignen würden, finden Spechte in der Stadt immer weniger.

In dem neuen „Ratgeber zum Artenschutz an Gebäuden und in der Stadt“ schreibt der Landesbund für Vogelschutz auch, was helfen kann – eine deutlich dickere Schicht aus Putz beispielsweise. Er empfiehlt außerdem, Spechtbäume stehen zu lassen, so genanntes stehendes Totholz.

Wer erst mal ein Loch in der Fassade hat, muss es reparieren

Das ist ein Bauschaden, der Folgen haben kann. Aber Achtung: In der Brutzeit zwischen April und August darf man nur dann sanieren, wenn ganz sicher ist, dass dort nicht gebrütet wird. Und klar, man muss darauf achten, dass weder Tiere noch Nester oder anderes Material in so einer Höhle drinbleiben beim Sanieren. Sonst fault es drinnen. Hinterher sollte man die Tiere vergrämen, sonst bauen sie daneben gleich weiter. Die Vogelschützer stellen hierfür verschiedenste Lösungen vor.
Empfohlen werden auch Nistkästen und Fassadenquartiere

Die Broschüre erinnert zudem an die Verpflichtung zum Quartierschutz – und gegenüber jenen Tieren, die man beim Reparieren der Löcher heimatlos macht: „Weil Wohnraum für Höhlenbewohner knapp ist in der Stadt“, schreiben die Autoren, „sollte beim Verschluss der Fassadenhöhlen Ersatz geschaffen werden“. Empfohlen werden Nistkästen und Fassadenquartiere. Spechte werden die nicht nutzen, die stehen auf Eigenheime. Aber ihre Nachmieter sind umso dankbarer.

Und wie halten es Spechte mit Ziegelgebäuden?

Dazu schreiben die Vogelschützer: Auch auf nicht gedämmten Fassaden sind Spechte unterwegs zur Nahrungssuche. Und auch da picken sie ein bisschen herum. Dabei entfernen sie manchmal einzelne, locker sitzende Putzstückchen – aber dieser Schaden hält sich in Grenzen. Deswegen gipfelt die Broschüre in dem Rat: „Wer sein Haus erst bauen will, sollte über eine Massivbauweise gründlich nachdenken.“
 
Die LBV-Broschüre "Spechte als Fassadenhacker" als PDF zum Download.
 
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