Experten analysieren Nachhaltigkeit von Poroton-Gebäuden

Weniger Energie im Betrieb, mehr Energie für alles andere

Graue Energie wird zum großen Thema. Denn je weniger Energie ein Gebäude während seiner Lebenszeit braucht, desto mehr fällt ins Gewicht, welcher Energieaufwand in den Phasen drumherum betrieben werden muss, also für die Herstellung der Baustoffe, das Errichten des Gebäudes und die spätere Entsorgung.

Was ist in der Praxis wirklich sinnvoll?

So entstand eine gewisse Zwickmühle. Ein Gebäude mit weniger Energieverbrauch im Betrieb? Klar, will jeder. Aber rechnet sich das auch wirklich? Auch in der ganzheitlichen Betrachtung? Was bedeutet das Ganze denn für die Praxis? Was ist wirklich sinnvoll? Mit diesen Fragen haben sich Experten vom Münchener Forschungsinstitut für Wärmeschutz intensiv beschäftigt. In einer über 60 Seiten starken Studie haben sie detailliert analysiert, berechnet und verglichen. Den Auftrag dafür hatte die Deutsche Poroton gegeben.

Bei der Studie stand ein Beispiel-Gebäude im Mittelpunkt, das in vielen Details heutige Standards versammelt: das Typen-Mehrfamilienhaus der ARGE Kiel mit 12 Wohneinheiten auf fünf Geschossen und insgesamt 1.064 Quadratmetern Nutzfläche. Es wird massiv gebaut aus perlitgefüllten Ziegeln in monolithischer Konstruktion ohne weitere Dämmschichten. Betrachtet wurde ein gesamter Lebenszyklus, 50 oder alternativ 80 Jahre lang. Die erste Erkenntnis versteht sich fast von selbst: Geht man von einem längeren Lebenszyklus aus, erzeugt allein schon das viele positive Effekte.
Zahlreiche Varianten mit berechnet

Die Experten haben sowohl die Graue Energie dieses Gebäudes berechnet als auch die Treibhausgasemissionen – jeweils in Abhängigkeit vom energetischen Niveau und auch von der gebäudetechnischen Ausrüstung. Man hat mit Varianten gearbeitet: drei verschiedenen energetischen Niveaus (GEG, EH 55 und EH 40) sowie sechs unterschiedlichen Lösungen im Bereich Gebäudetechnik: einen Gasbrennwertkessel plus Solarthermie, kombiniert entweder mit Abluftanlage oder einem komplexeren Belüftungssystem; außerdem Fernwärme mit zwei Lüftungs-Varianten; zudem die Kombination aus Luft-Wärme-Pumpe plus Abluftanlage mit und ohne eine zusätzliche Photovoltaik-Anlage.

Graue Energie und Wärmeschutz nicht gegeneinander ausspielen

Die Experten kamen zu klaren Ergebnissen: Guter Wärmeschutz bei der Außenhülle und eine effiziente Anlagentechnik lohnen sich in jedem Fall, sie sind nachhaltig und ökologisch sinnvoll. Denn dadurch kann man in den Jahren des Betriebs viel Energie einsparen. Das zahlt sich über den Lebenszyklus hinweg deutlich aus. Und es überwiegt auch jene Nachteile, die sich durch die höheren Aufwendungen von Grauer Energie ergeben. Die Experten betonten außerdem: Graue Energie und Wärmeschutz sollten prinzipiell nicht gegeneinander ausgespielt werden.
Pauschal betrachten reicht in der Regel

Sie gaben für die Praxis außerdem die Empfehlung: Es wäre gar nicht sinnvoll und auch nicht rentabel, für jedes einzelne Gebäude künftig auch die Graue Energie mit zu berechnen und zu betrachten – einfach weil es deutlich zu aufwändig und zu komplex ist. Sie raten zu einer simpleren pauschalen Berücksichtigung, bei der man Bauweise, Anlagentechnik und Wärmeschutzniveau mit einbezieht.

Oft lohnt sich der Mehraufwand schnell

Moderne Gebäudetechnik ist wichtig und kann viel leisten – was besonders ins Gewicht fällt, weil sie selbst für wenig Graue Energie sorgt. Mehraufwendungen zahlen sich schnell aus, beispielsweise eine Lüftungsanlage statt einer Abluftanlage, und sind energetisch wie ökologisch dadurch sehr sinnvoll. Ebenso positiv zeigten sich die Effekte von Photovoltaik-Anlagen bei energieeffizienten Gebäuden: Auch hier ist der erhöhte Aufwand schnell kompensiert.
Bei Innenbauteilen den Hebel ansetzen

Wer Graue Energie reduzieren will, sollte den Hebel am besten bei den Innenbauteilen ansetzen, sagt die Studie weiter. Also beispielsweise Keller und Betondecken: Sie haben einen etwa doppelt so großen Anteil an der Gesamtmenge der Grauen Energie wie die Außenhaut aus perlitgefüllten Ziegeln. Den allergrößten Anteil haben übrigens die Fenster.

Was sich ebenfalls lohnt: Wärmebrücken sorgfältig zu vermeiden. Zwar hat man mehr Aufwand, wenn man die Bauteil-Anschlüsse plant und optimiert. Aber mit dem detaillierten Nachweis werden Wärmebrückenzuschläge möglich, die oft deutlich unter den möglichen Pauschalwerten liegen.

Hier kann man die vollständige Studie herunterladen.
Datum: 22.09.2021
 
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