Endlich Klarheit über Lüften im Wohnungsbau

Lüftung planen und bauen: So geht’s richtig

Klar: Man muss Wohnräume lüften. Wegen Hygiene, um Hitze hinauszubekommen und um die Gebäude vor Feuchtigkeit von innen zu schützen. Aber wie? Welche Rolle spielt bei all dem die Energieeffizienz? Was müssen Planer beachten, wofür haften sie?

Es wurde schon viel gestritten und diskutiert darüber, welche Art der Lüftung und welche Technologien im Wohnungsbau eingesetzt werden sollen. Denn an dieser Stelle gibt es keine eindeutigen Regelungen. Lüftungskonzepte wurden permanent debattiert (was nicht einfacher wird dadurch, dass allein schon dieser Begriff unterschiedlich verwendet wird). Und welche Pflichten, welche Beweisrisiken entstehen aus der DIN 1946-6?

Die Debatte kann jetzt beigelegt werden. Dank der Bundesarchitektenkammer: Sie sorgte für eine wissenschaftliche Studie, mit der die Diskussion gründlich versachlicht werden kann. Denn auf dieser Grundlage wird es problemlos möglich, für jedes Gebäude die beste Lösung zu ermitteln.
Merkblatt auf breiter Basis

Für die Praxis gemacht ist das frisch veröffentlichte „Merkblatt zum Lüften im Wohnungsbau“. Es baut auf der von der Bundesarchitektenkammer initiierten Studie auf. Fast 20 Branchenverbände haben sich zusammengetan, damit aus dieser Studie nun das praxistaugliche Merkblatt entsteht und aktuell auch breit kommuniziert wird. Neben der Bundesarchitektenkammer sind neun Landes-Architektenkammern beteiligt, ebenso die Bundesingenieurkammer, der Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen, der Verband Beratender Ingenieure, das Deutsche Baugewerbe und Interessenverbände der Lüftungsindustrie. Eine denkbar breite Basis.
 
Merkblatt zum Lüften
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Das Wichtigste vorneweg: Es braucht nicht zwingend eine automatisierte Lüftung.

Auch das manuelle Fenster-Öffnen gilt als ein Lüftungssystem, das den technischen Regeln im Bauordnungsrecht entspricht.

Damit ist der Konflikt wohl beigelegt. Jahrelang hatte es in der Baubranche zwei Lager gegeben. Ein großes Lager war fest überzeugt: Man kann eine moderne Immobilie nur dann wirksam vor Feuchte schützen, indem man ihre Belüftung automatisiert – also dafür sorgt, dass gelüftet wird, auch wenn die Menschen in der Wohnung sich nicht darum kümmern. Viele Bauherren und Träger waren überzeugt, Nutzer seien nicht dazu in der Lage, in heutigen Immobilien ausreichend für Luftaustausch zu sorgen.

Alle Faktoren durchleuchtet

Dem widersprechen Studie und Merkblatt. In der Ausarbeitung werden alle Grundlagen rund ums Lüften und Belüftung durchleuchtet. Die bauordnungsrechtlichen und normativen Anforderungen werden zusammengefasst. Anhand von etlichen Auslegungsbeispielen werden die Volumenströme für die im Wohnungsbau üblichen Lüftungssysteme dargestellt. Aus juristischer Perspektive wurden die Haftungsrisiken für die Planer von Lüftungskonzepten bewertet. Die Autoren haben eine Tabelle zusammengestellt, die eine Einordnung und Bewertung ermöglichen soll. Die Tabelle ist in der Studie und im Merkblatt enthalten. Sie benennt klare Kriterien, anhand derer man in jeder einzelnen Konstellation eine geeignete Lüftungslösung finden kann und entscheidungsfähig wird. Außerdem wurde ein Schema hinterlegt zu den Vertragspflichten im Planungsablauf.
Nur wo Fenster fehlen, ist die automatische Lüftung Pflicht

Klare Ansage der Autoren: Automatische Lüftung braucht es nur in ganz bestimmten Konstellationen – eine Lüftungsanlage ist immer dann fällig, wenn Küchen oder Kochnischen, Bäder und Toilettenräume keine Fenster haben.

Alle anderen Räume kann man ebenso auch über manuell geöffnete Fenster belüften lassen. Die Volumenströme, die bei geöffneten Fenstern entstehen, können ebenso berechnet werden wie eine apparative Lüftung. Und es gibt Konstellationen, da hat das klassisch weit geöffnete Fenster weiterhin die Nase vorn: beispielsweise wenn es darum geht, Sommerhitze hinauszulüften oder auch die Feuchte im Neubau loszuwerden.

Mehrere Lösungen möglich

Die Autoren der Studie kamen außerdem zu dem Schluss: Es gibt nicht ein bestimmtes Lüftungssystem, das überall und allgemeingültig empfohlen werden kann. Apparative Lüftung, Luftdurchlässe an Außenbauteilen oder auch ventilatorgestützte Geräte haben alle in bestimmten Konstellationen ihre Berechtigung.

Mit entscheiden werden immer auch die Menschen, die mit einem Projekt zu tun haben: Auftraggeber wie auch Nutzer haben in der Regel eigene Einschätzungen, Vorlieben und Anforderungen.
 
Datum: 24.08.2021
 
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