Der Trend kennt nur eine Richtung

Dass die Zinsen für den Bau oder Erwerb von Immobilien anziehen würden, hatten Experten schon seit geraumer Zeit prognostiziert. Noch vor Jahresfrist lagen die Zinsen für einen Immobilienkredit mit zehnjähriger Zinsfestschreibung bei 0,7 Prozent pro Jahr. Dieser Wert stellte ein historisches Allzeittief dar. Rekordverdächtig ist allerdings auch das Tempo, mit dem die Zinsen seit Jahresbeginn steigen. Allein im März verteuerten sich solche Finanzierungen um 0,5 Prozentpunkte. Dieser Trend dürfte sich fortsetzen. Bis zum Sommer könnten für Immobilienkredite mit einer Zinsbindung von zehn Jahren drei Prozent Zinsen verlangt werden, erwarten etliche Banken.

Mehrere Faktoren als Zinstreiber

Die Ursache für den rasanten Anstieg bei den Bauzinsen ist das Zusammenspiel mehrerer Faktoren. Die infolge des Krieges in der Ukraine abrupt nach oben geschossene Inflation (im März betrug sie in Deutschland 7,3 Prozent) gehört ebenso dazu wie das bereits seit einiger Zeit steigende Zinsniveau an den Kapitalmärkten. Immer mehr Experten warnten zuletzt auch vor einer Blase bei der Bewertung von Immobilien in Deutschland. Das könnte zu weiteren Auflagen der Finanzaufsicht für die Vergabe von Immobilienkrediten führen. Damit einhergehende Kosten geben Banken über die Zinsen an Kreditnehmer weiter.

Forward-Darlehen als Chance

Wer bereits ein Immobiliendarlehen hat, dessen Zinsbindung in den nächsten Jahren ausläuft, sollte sich Gedanken machen, um von den im langjährigen Vergleich immer noch niedrigen Zinsen zu profitieren. Ein Forward-Darlehen als frühzeitige Anschlussfinanzierung kann je nach Bank bereits zwischen drei und fünf Jahren vor Ablauf der Zinsbindung vereinbart werden. Die Zinsen liegen dabei etwas über den aktuellen Sätzen für variabel verzinste Darlehen. Dafür wird die Immobilienfinanzierung langfristig zu einem festen Zinssatz abgesichert.

Allerdings stellt auch ein Forward-Darlehen einen verbindlichen Kreditvertrag dar. Ein Rücktritt von einem solchen Darlehen ist ohne Kosten nicht möglich. Daher sollte vor einer Entscheidung die sorgfältige Prüfung der Kapitalmarkt-Prognosen, der vielfältigen Angebote auf dem Markt und der persönlichen Situation stehen.
Immobilie bleibt attraktiv

Noch immer steigen die Immobilienpreise in Deutschland. 2021 erhöhten sich die Preise für Wohnimmobilien in Deutschland durchschnittlich um elf Prozent. Steigende Zinsen verteuern den Bau und Kauf von Immobilien zusätzlich, sofern die Kosten über einen Kredit finanziert werden. Die Zinsen auf Guthaben hingegen bewegen nach wie vor auf einem historisch niedrigen Niveau. Für größere Vermögen werden bei den Banken nach wie vor sogar Strafzinsen fällig. Die Schere zwischen Spar- und Kreditzinsen öffnet sich zusehends.

Die Nachfrage nach Immobilien ist bisher trotz dieser Entwicklungen ungebrochen. Ein hoher Nachholbedarf an Wohnraum in vielen Regionen und ein Mangel an lukrativen Anlagealternativen auf den Finanzmärkten sind Faktoren, die dazu beitragen. Bei einer Entscheidung über Kauf oder Bau einer Immobilie sollte der Blick trotz allem nicht allein auf die Zinsentwicklung gerichtet werden. Zwar bedeutet eine Zinssteigerung um 0,25 Prozentpunkte bei einem Kredit über 400.000 Euro höhere Kosten von 10.000 Euro über zehn Jahre. Eine falsche Entscheidung beim Bau oder bei der Auswahl einer Immobilie kann allerdings viel teurer werden.

 
Datum: 20.04.2022
 
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