Mauerwerksregeln und Umgang mit Abweichungen

Tipp aus der Bauberatung, heute von Alfred Emhee


Das Regelwerk für Maurer lässt kaum Fragen offen. Ob es um die Ausgleichsschicht unter Planziegelmauerwerk geht, das Überbindemaß für Mauern im Verband, zulässige Stoßfugenbreiten, die Ausführung von Lagerfugen oder Maßtoleranzen im Mauerwerksbau – für alles gibt es einschlägige Vorschriften. Wo sie zu finden und wie sie zu verstehen sind, fasste Schlagmann-Bauberater Alfred Emhee in seinem Webinar „Mauerwerksregeln und Umgang mit Abweichungen“ am 6. Juli zusammen, stets garniert mit ganz praktischen Beispielen aus der Baustellen-Realität.

Es gibt kein Standard-Rezept

Ausgehend von der Frage, welche Stärke eine Ausgleichsschicht unter Planziegelmauerwerk haben sollte und welcher Mörtel dafür geeignet ist, ging Emhee auch auf mögliche Fehler und deren Bewertung ein. Sein Credo: „Es gibt keine Kochrezepte, man muss die Dinge immer im Einzelfall ansehen.“ Denn wie es sich auf die Standfestigkeit eines Mauerwerks auswirkt, wenn auf einer Teilfläche nicht der eigentlich dafür vorgesehene Mörtel verwendet wurde oder andere Vorgaben aus dem Regelwerk nicht eingehalten wurden, hängt maßgeblich von dessen Funktion und Beanspruchung ab.
Tragwerksplaner einbeziehen

Wichtige Faktoren für die Beurteilung, beispielsweise bei einem zu geringen Überbindemaß im Verband, sind die tatsächlich gegebenen Auflasten, das statische System, dessen Teil die betroffene Wand ist, die gegebenen Deckenspannweiten und die statischen Reserven bei der Auslastung des Mauerwerks an der fraglichen Stelle. Hier stellte Emhee klar, dass bei vermuteten Auswirkungen auf die Tragfähigkeit der Tragwerksplaner hinzugezogen muss. Abhängig von dessen Beurteilung sind dann unterschiedliche Lösungswege denkbar. Besteht zum Beispiel kein Zweifel an der Standsicherheit, aber eine erhöhte Rissgefahr für den Putz, dann kann eine zusätzliche Putzarmierung den Fehler nachträglich beheben.

Fugen nicht unterschätzen

Fugen stellen bei Mauern eine weitere potenzielle Fehlerquelle dar. Stoßfugen beispielsweise sollten generell mit Mörtel verschlossen werden, wenn sie mehr als fünf Millimeter breit sind. Dasselbe gilt für Fehlstellen im Ziegel, die durch Abplatzungen entstanden sind. Vereinzelt hinnehmbar sind Stoßfugen von bis zu 50 Millimeter Breite, über dieses Maß hinausgehende Abstände müssen mit passenden Ziegelabschnitten ausgefüllt und angemörtelt werden.

Bei Lagerfugen ist die vollflächige Vermörtelung zu beachten. Denn der Grad der Vermörtelung einer Lagerfuge wirke sich nahezu linear auf die Mauerwerksfestigkeit aus, betonte Alfred Emhee. Für einen sauberen und vollflächigen Mörtelauftrag legte er den Zuschauern die von Schlagmann angebotenen Walzen- und Mörtelrollensysteme ans Herz.
 
 
Maßtoleranzen im Mauerwerksbau

Zum Abschluss ging es in diesem Webinar noch um die zulässigen Maßtoleranzen im Mauerwerksbau und wie sie im Rahmen üblicher handwerklicher Sorgfalt eingehalten werden können. Und wenn es trotzdem mal nicht passt, hatte Alfred Emhee noch einen nicht ganz ernst gemeinten Rat aus der Praxis parat: „Bauschaum hilft immer.“
Datum: 20.07.2021
 
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