Luftdichtheit und Lüftungskonzept bei KfW-Effizienzhäuserne

Tipp aus der Bauberatung, heute von Holger Bahmer
Luftdicht bauen ist wichtig. Weil man dadurch Bauschäden vermeidet, die durch Tauwasser oder Leckagen entstehen könnten. Weil es Energie spart, somit auch Geld, und gut ist fürs Klima. Weil es in luftdichten Räumen behaglicher ist und nicht zieht. Und weil unerwünschte Gerüche und Schall draußen bleiben.

Sinnvoll abdichten und lüften in effizienten Gebäuden

Luftdichtheit entsteht nicht auf der Baustelle, sondern schon beim Planen. Sie ist ein Standard-Thema für alle, die die energetische Fachplanung machen für Gebäude, welche wegen ihrer energetischen Qualitäten Fördergelder bekommen. Die Energieeffizienz-Experten müssen Konzepte erstellen für Luftdichtheit und für Lüftung, sie müssen das Thema mit dem Bauherrn besprechen, die Luftdichtheit muss gemessen werden, diese Messung auch geprüft und alles dokumentiert. All das will und fördert die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG).

Nützliche Broschüre kostenlos

Wie ein Luftdichtheits-Konzept aussieht, kann man in der DIN 4108-7 nachschauen, die auch konkrete Skizzen mitliefert und Vorgehensweisen empfiehlt. Eine wirklich nützliche Publikation bietet außerdem der FLiB, der Fachverband Luftdichtheit im Bauwesen: die Broschüre Luftdichtheits-Konzept. Sie erklärt nicht nur, wie man Schritt für Schritt Luftdichtheits-Konzepte erstellt, sondern zeigt auch Muster. Es gibt sie kostenfrei im Netz, beispielsweise unter www.luftdicht.info.

Wie dicht ein Gebäude ist, testet man nach dem Bau mit einem Blower-Door-Test, der festgeschriebene Grenzwerte erfüllen muss. Aber was kann in der Praxis schiefgehen, welche Mängel sind häufig? Es ist ratsam, von Anfang an alle kritischen Stellen im Auge zu behalten – also die Bauteilflächen als solche, dann Übergänge zwischen Bauteilen und Anschlüssen, alle Durchdringungen und alle Funktionsfugen.
Einfach luftdicht mit Ziegeln

Eine Ziegelwand macht es einem da wieder leicht. Denn man kann prinzipiell davon ausgehen, dass Ziegelwände mit einer nassverputzten Oberfläche grundsätzlich luftdicht sind. Bedeutet zugleich: Wenn es Stellen gibt, die man später beim Verputzen nicht mehr erreichen kann, beispielsweise wegen Vorwandinstallationen, abgehängten Decken oder in einem Kniestock, muss man sie rechtzeitig zumindest mit einem Glattstrich versehen. Was es bei Ziegeln in aller Regel nicht braucht: zusätzliche Luftdichtheitsschichten.

Häufige Fehler vermeiden

Auch bei Ziegelmauern heißt es bei den Details sorgfältig sein. Putz muss wirklich vollflächig aufgetragen sein. Innenputz muss bis an die Rohdecke und den Rohfußboden herangeführt werden. Und auch die Mauerkronen der Außenwände brauchen eine Putzschicht oder eine Mörtelkrone. Rund um Fenster herum wählt man eine von mehreren denkbaren Optionen für fachgerechte Abdichtung: spritzbare Dichtstoffe, imprägnierte Fugendichtungsbänder aus Schaumkunststoff, Multifunktionsdichtungsbänder, Fugendichtungsfolien oder Anputzdichtleisten. Im Brüstungsbereich und in der Laibung ist Glattstrich die beste Lösung.

Bei Elektrodosen und Elektroinstallationen muss man auch aufpassen: Entweder man setzt die Dosen satt in ein Gipsbett und wählt luftdichte Dosen. Oder man kann Leerrohre und Kabelkanäle an ihren Enden luftdicht verschließen. Dritte Variante: Leitungen luftdicht an das Rohr oder den Kanal anschließen. Was ebenfalls Aufmerksamkeit verdient: Die Ziegel in Innenwänden sind oft nicht gefüllt. Man muss Installationen also gedeckelt ausführen, damit keine Kaminwirkung entsteht, über die Feuchtigkeit in die Konstruktion eintreten kann.
 
Planziegelmauerwerk deckeln

Noch ein gängiger Fehler droht bei Vorwandinstallationen: Sie sollten nie auf rohem Ziegel montiert werden. Ein Putz oder Glattstrich muss frühzeitig gemacht werden. Das sollte auch im Briefing für den Flaschner klar vorgegeben werden. Schächte und Durchbrüche zum Keller oder Spitzboden müssen luftdicht verschlossen werden. Potenzial für Leckagen bieten zudem Drempelwände, die nicht fachgerecht angelegt wurden, oder die Anschlüsse ans Mauerwerk im Bereich des Dachstuhls.

Ziegel in Außenwänden sind verfüllt und als solche luftdicht. Für Innenwände werden oft nicht gefüllte Ziegel verbaut, dann gilt: Die Luftschicht im Ziegel soll eine stehende Schicht sein, ohne Luftaustausch. Das ist heute kein Problem, dank V.Plus-System oder V.D.-System: Damit werden Lagerfugen lagenweise gedeckelt, das funktioniert sehr zuverlässig und sorgt für die nötige Luftdichtheit. Richtig verarbeitet, sind Ziegel eine besonders gute Absicherung gegen Leckagen.
Lüftung richtig denken

Wo lohnt sich eine Lüftungsanlage, wo ist sie sinnvoll, wo Pflicht? Und: Können Ziegel als „atmende Wand“ die Lüftung vielleicht sogar ersetzen? Die letzte Frage ist einfach: Nein. Ziegel können Raumluft nicht austauschen, deswegen muss man natürlich auch bei Ziegelwänden über Lüftung nachdenken. Vorgeschrieben ist Lüftung in allen fensterlosen Räumen. Besonders wichtig wird Lüftung überall dort, wo Feuchtigkeit im Spiel ist, also im Bereich Bad und Küche, wo Verbrennung stattfindet beispielsweise in einem Holzofen – und vor allem dort, wo Energiebedarf eine Rolle spielt. Und ganz klar: Die Menschen, die in einem Gebäude wohnen, spielen mit ihren persönlichen Wünschen und Bedürfnissen auch eine Rolle.

Fürs professionelle Lüftungskonzept muss man vorab Fragen klären: Was soll oder muss durch die Lüftung hier erreicht werden? Welche Systeme sind dafür bei diesem konkreten Projekt geeignet? Und welche Konsequenzen ergeben sich aus den verschiedenen Lüftungssystemen? Die Entscheidung ist oft etwas komplexer. Fachverbände haben unlängst eine Studie gemacht und daraus das „Merkblatt zum Lüften im Wohnungsbau“ abgeleitet, das beim Entscheiden helfen kann. Die Quintessenz der Studie wurde zu einer Entscheidungs-Matrix zusammengefasst. Eingeflossen sind einerseits Kriterien und andererseits die verschiedenen Lüftungssysteme, deren Stärken und Schwächen.
 
Datum: 19.10.2021
 
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