Steigende CO2-Preise: mit Ansage in die Kostenfalle?

Der Preis des Klimaschutzes

In Neubaugebieten sind Öl- und Gasheizungen seit dem 1. Januar 2024 kein Thema mehr. Das Gebäudeenergiegesetz (GEG) erlaubt seit Jahresbeginn dort nur noch den Einbau von Heizungen, die zu mindestens 65 Prozent mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Überall sonst soll das Ende fossil betriebener Heizkessel spätestens im Jahr 2044 kommen. Dann ist der Umstieg auf erneuerbare Energieträger für alle Heizungsanlagen Pflicht.

Ebenfalls bereits sicher ist der weitere Anstieg der CO2-Bepreisung. Zunächst noch in Form eines national festgelegten Festpreises, der von aktuell 45 Euro pro Tonne im kommenden Jahr auf 55 Euro steigt und 2026 auf bis zu 65 Euro erhöht werden soll. Von 2027 an kommt dann voraussichtlich ein EU-weites Emissionshandelssystem. Experten erwarten dadurch weiter steigende CO2-Preise.

Rechnung mit Unbekannten

Schon mit dem heutigen Preis von 45 Euro pro Tonne CO2 entstehen für die maximale Laufzeit einer Ölheizung bis Ende 2044 von heute an hochgerechnet zusätzliche Kosten von knapp 5.500 Euro bei einem Jahresverbrauch von 1.800 Litern Heizöl. Durch den steigenden CO2-Preis werden die tatsächlichen Mehrkosten aber sogar deutlich darüber liegen. Wo genau, das lässt sich heute noch nicht genau berechnen, weil sich die Wirkung des europäischen Emissionshandelssystems nicht exakt vorhersagen lässt.

Die Bunderegierung hat mehrere mögliche Szenarien modellhaft berechnet. Im sogenannten „Niedrigpreisszenario“ würde der Preis für die Abgabe einer Tonne Kohlendioxid bis 2044 auf 100 Euro steigen. Im „Hochpreisszenario“ liegt dieser Endbetrag bei 300 Euro. Für das vorgestellte Beispiel einer Ölheizung für ein Einfamilienhaus mit dem Jahresverbrauch von 1.800 Litern Heizöl entstünden dadurch im günstigsten Fall in den nächsten 20 Jahren Mehrkosten von 9.500 Euro, im teuersten Szenario sogar mehr als 20.000 Euro.

Erdgas weniger belastet als Heizöl

Für Erdgas-Heizungen fallen die zusätzlichen Kosten wegen des geringeren CO2-Ausstoßes etwas niedriger aus und liegen zwischen 6.500 und knapp 14.000 Euro für einen angenommenen äquivalenten Jahresverbrauch von 18.000 Kilowattstunden. Noch höhere Gesamtkosten entstünden, wenn der CO2-Preis nicht gleichmäßig steigt, sondern mit Einführung des europäischen Emissionshandels zunächst sprunghaft nach oben geht (Hinweis: das zeigen die rote und die pinke Linie in der Grafik), wovon etliche Experten ausgehen.
Fossile Fehlinvestition?

Aus diesen Berechnungen folgt: Gerade in Kombination mit den neuen Fördermöglichkeiten nach dem Gebäudeenergiegesetz ist ein Wechsel auf eine klimafreundliche Heizungsanlage rechnerisch heute schon ohne Mehrkosten gegenüber einer Gas- oder Öl-Heizung machbar. Dass eine Wärmepumpe oder eine Biomasse-Heizung in der Anschaffung teurer sind, wird über die Betriebsjahre durch Einsparungen beim CO2-Preis mit hoher Wahrscheinlichkeit mehr als ausgeglichen. Jetzt noch schnell eine Heizung anzuschaffen, die auf fossile Energieträger angewiesen ist, könnte sich hingegen, Stand heute, zu­künftig als Fehl­in­vestition er­weisen.


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Datum: 14.03.2024
 
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