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Projekt Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität

EIN HAUS IST KEIN EINWEGFEUERZEUG


Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat das „Effizienzhaus Plus mit Elektromobilität“ in Berlin vorgestellt. Bei der Konzeption spielte neben Energieeffizienz und Ressourcenschonung die Nachhaltigkeit eine zentrale Rolle. Ziel des Gebäudes ist es, „Nutzern und Bewohnern höchsten Komfort zu bieten – und gleichzeitig eine optimale energetische Bilanz zu erreichen.“

Das Gebäude erwirtschaftet Energie und stellt diese den Nutzern zur Verfügung. Überschüssige Energie kann in Elektrofahrzeuge geleitet, ins öffentliche Stromnetz eingespeist oder in der Hausbatterie zwischengespeichert werden.

Das Projekt wird intensiv wissenschaftlich begleitet. Eine „echte“ Familie wird für 15 Monate darin wohnen. Die Forschungsergebnisse sollen „für die breitenwirksame Entwicklung solcher innovativen Gebäude und für die Weiterentwicklung von technischen Systemen zur Verfügung gestellt werden."

Wandaufbau

Die 56,25 cm dicken Außenwände bestehen aus folgenden Schichten (von innen nach außen):
- 12,5 mm GK-Beplankung, gestrichen
- 60 mm Installationsebene mit Hanfdämmung
- Dampfbremse
- 20 mm OSB-Platte
- 360 mm Zellulosedämmung
- 20 mm OSB-Platte
- Feuchtigkeitssperre
- 30 mm Vertikallattung
- 30 mm Agraffenprofil (Alu)
- 30 mm Dünnschicht-PV-Module als vorgehängtes Fassadenelement

Recycling-Konzept

Das gesamte Gebäude kann zurückgebaut werden, alle verwendeten Materialen können wieder in den Stoffkreislauf eingegliedert werden.
„Ein Teil der Baustoffe wird von den Herstellern zurückgenommen und bei anderen Bauprojekten direkt wiederverwendet; alle anderen Materialien werden stofflich rezykliert. Dafür musste bereits bei der Auswahl der Baustoffe darauf geachtet werden, dass alle Produkte entweder biologisch abbaubar sind oder durch ein technisches Verfahren zu neuen Recycling-Baustoffen verarbeitet werden können...“

Das ist gut gemeint, aber nicht gut durchdacht. Denn ein Haus ist kein Einwegfeuerzeug.

An der Realität vorbei geplant?

Die überwiegende Mehrheit der Häuser in Deutschland werden nicht in Leichtbauweise, sonder massiv gebaut. Allein in Bayern zum Beispiel 75% aus Ziegel. Denn die Menschen fühlen sich in massiven Ziegelhäusern mit ökologischer Wärmedämmung, hohem Schallschutz und hohem Brandschutz besonders wohl.
Natürlich ist ein Forschungsprojekt zu begrüßen, das Energieeffizienz, Ressourcenschonung und Nachhaltigkeit ins Zentrum der Debatte rückt. Aber wäre es nicht sinnvoll, das mit einer Bauweise zu verbinden, die den Menschen traditionell nahe steht?

Hausbesuch mit überraschenden Erkenntnissen

Ein renommierter deutscher Professor, der sich mit energieeffizienter Bauweise befasst, hat das „Effizienzhaus Plus“ am 8.2.2012 besichtigt und an einer Führung teilgenommen. Dabei hat er überraschende Erkenntnissen gewonnen und bemerkenswerte Auskünfte bekommen: „Der Großteil der PV-Fläche ist auf dem Flachdach nahezu waagerecht angebracht, was zu großer Verschmutzung führt und den Selbstreinigungseffekt des Regens stark hemmt. Demzufolge haben die Erntewerte bereits jetzt stark nachgelassen. Zum Zeitpunkt der Besichtigung lag die Summe der PV-Leistung gerade bei 500 W, der Verbrauch des Hauses bei 5.900 W, obwohl kein Elektroauto angeschlossen war. Der Gesamtstromverbrauch des Hauses ist mit ca. 16.000 kWh/a prognostiziert, inkl. Elektromobilität.
Aktuell liegt der Hauspreis bei 1,1 Millionen Euro zzgl. Messtechnik und soziologischer Begleitung. "Es sind Studenten engagiert, die im Namen des Ministeriums Hausführungen machen und die Besucher beraten. Auf Fachfragen wissen die Studenten keine Antwort. Sie plaudern aber offen darüber, dass es viele Schwierigkeiten gäbe und zu erkennen wäre, dass die Messwerte wohl sehr schlecht werden würden. Deswegen würde das Ministerium wohl die Werte nicht veröffentlichen.“
 
Der Minister ist gespannt - wir auch!

Bundesminister Dr. Peter Ramsauer schreibt im Vorwort der Broschüre zum Projekt: „Ich bin gespannt, welche Erkenntnisse aus dem „echten“ Leben in dem „Effizienzhaus Plus“ gewonnen werden und hoffe, dass das Projekt zur breiten Einführung dieser Zukunftsvision im Bau- und Verkehrsbereich beiträgt.“ Wir hoffen, dass sich die politischen Visionen im nächsten Schritt der Realität nähern.

Quelle für Detailangaben zum Projekt und Zitate: Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung
 





 
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