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EFFIZIENZHAUS PLUS: EINE GANZE SIEDELUNG


Eineinhalb Jahre lang wurde gebaut, Mitte Juli 2017 war dann alles bereit für die feierliche Einweihung: In Hügelshart nahe Augsburg findet man neuerdings Deutschlands erste Effizienzhaus Plus-Siedlung. Unter elf Dächern wird im Jahresdurchschnitt mehr Energie erzeugt als verbraucht. Es sind 13 Hauseinheiten, neun Einfamilienhäuser und vier Doppelhaushälften.

Vorbildcharakter bescheinigt

Gebaut wurde in Hügelshart nach Kriterien, die das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz, Bau und Reaktorsicherheit zusammengestellt hat. Bayerns Wirtschaftsstaatssekretär Franz Josef Pschierer bescheinigte dem Projekt Vorbildcharakter. „Die Energiewende ist keine reine Stromwende. Auch Wärme spielt eine große Rolle. Eine moderne Bauweise und innovative Technologien, wie sie hier in Hügelshart vorzufinden sind, leisten einen wichtigen Beitrag zur Strom- und Wärmewende.“

Gebaut mit perlitgefüllten Ziegeln von Schlagmann

Realisiert wurden die Häuser an der Nördlichen Greinerstraße von der asset bauen wohnen GmbH in Kooperation mit der BayWa AG. Verarbeitet hat man unter anderem Poroton-Ziegel von Schlagmann, die sich beim Schlagmann-Effizienzhaus-Plus in Burghausen bereits bewährt hatten. Im Verbund mit anderen hochwertigen Baustoffen und einer ausgeklügelten Haustechnik haben sie sich als Baumaterial der Zukunft entpuppt: Mit Ziegeln kann eine wohngesunde, energieeffiziente und zugleich wirtschaftliche Bauweise funktionieren.“

Energieeffizient und zugleich wirtschaftlich

Gerade die Wirtschaftlichkeit war für viele Beteiligte eine spannende Frage. „Mit diesen Häusern zeigen wir, dass eine energieeffiziente und wohngesunde Massivbauweise auch wirtschaftlich sein kann“, so Bernhard Jakob, Geschäftsführer von asset. „Die Siedlung in Hügelshart beweist, dass eine hohe Energieunabhängigkeit auf breiter Basis möglich ist.“

Bei den künftigen Bewohnern kommt diese Bauweise mit ihrem Energiekonzept gut an. Vier Häusereinheiten wurden über ein spezielles Modell direkt an Einheimische vergeben. Auch Bürgermeister Roland Eichmann sieht das Projekt positiv: „Die Effizienzhaus-Plus-Siedlung ist richtungsweisend für das energieeffiziente Bauen. Für uns ist es eine Referenz.“ Das gut zu den kommunalen städtebaulichen Zielen passende Projekt bringe einen Mehrwert für die gesamte Region. Nicht zuletzt dank der Ziegel: „Mit der traditionellen Bauweise wurden gezielt Handwerk, Dienstleister, Handel und Industrie aus der Region angesprochen“, so Eichmann.

Die Energie der neuen Gebäude wird über Photovoltaik-Anlagen auf den nach Süden ausgerichteten Hausdächern gewonnen. Gespeichert wird sie mithilfe von Lithium-Ionen-Batterien sowie, in Wärme umgewandelt, in thermischen Wasserspeichern. Das Herzstück der Wärmeerzeugung ist eine Kombination aus Luft-Wasser-Wärmepumpe mit Inverter-Technologie und thermischem Wasserspeicher. Jedes Haus hat sein eigenes Energie-Monitoring, das alle Anlagenkomponenten automatisch steuert. Dies sorgt dafür, dass der PV-Stromertrag optimal genutzt werden kann.

„Aufs Gesamtjahr betrachtet, können sich die Effizienzhaus-Plus-Gebäude in Hügelshart auf diese Weise vorwiegend selbst mit Energie versorgen“, sagt Georg Polz, der das Projekt von Seiten der BayWa betreut. „Überschüssigen Strom kann man ins Netz einspeisen oder damit ein Elektroauto direkt am Haus aufladen.“ Der Großteil des Energieüberschusses wird während der Sommermonate entstehen. Im Winter werden der PV-Ertrag sowie die Speichersysteme nicht ganz ausreichen, so dass zeitweise auf Netzstrom zurückgegriffen wird. Insgesamt ergebe sich für die neuen Gebäude auf das Gesamtjahr gesehen eine Energieunabhängigkeit von etwa 70 Prozent, so Polz.

Erprobte Materialien

Noch mehr technische Infos kennt Elke Dehlinger von der BayWa r.e, einer auf erneuerbare Energien spezialisierte Tochter der BayWa, welche beim Projekt die Anlagenkonzeption beigesteuert hat. „Neu im Vergleich zu anderen Effizienzhaus-Projekten ist die Zusammenstellung der Produkte“, erklärte sie. „Unsere Anlagenkonzeption setzt ganz bewusst auf die Verwendung von vielfach am Markt erprobten Standardkomponenten.“ Indem diese optimal aufeinander abgestimmt würden, erreiche man zugleich Zuverlässigkeit und eine gute Wirtschaftlichkeit, und dies, ohne Abstriche machen zu müssen bei der angestrebten hohen Energieautarkie.

Die neuen Ziegel-Massivhäuser in Hügelshart erfüllen bereits heute die Anforderungen, die gemäß EU-Gebäuderichtlinie ab 2021 für energieeffiziente Neubauten gelten werden: Wichtig dafür sind neben dem niedrigen Energiebedarf und der hohen solaren Deckung über die eigene Energieerzeugung auch das intelligente Energiemanagement. Von 2021 an müssen Neubauten als „Niedrigstenergiehäuser“ gebaut werden. Das bedeutet: Allein durch die optimale Gebäudehülle sowie eine Lüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung sollen solche Häuser ausgesprochen energieeffizient sein. Dazu leistet eine monolithische Außenwandkonstruktion aus Ziegelsteinen mit hochwärmedämmendem Kern einen wichtigen Beitrag.

Wohngesund und zertifiziert

Die Ziegel leisten noch mehr: Die neuen Wohnhäuser sind nicht nur in einem hohen Grad energieeffizient, sondern wurden auch nach Kriterien der Wohngesundheit gebaut. Um am Ende eine gesunde Raumluft zu garantieren, hat man geprüft schadstoffarme Baumaterialien verwendet und richtig verarbeitet. Jedes fertiggestellte Gebäude wird hinsichtlich seiner Wohngesundheit geprüft und zertifiziert, in Kooperation mit dem Sentinel Haus Institut und dem TÜV Rheinland.

Die Effizienzhaus-Plus-Siedlung hat Modellcharakter: Hier zeigt sich, wohin die Weiterentwicklungen im energieeffizienten und emissionsarmen Wohnungsbau gehen können. Um die Energiewende umzusetzen und die Klimaschutzziele zu erreichen, werden solche Projekte gebraucht. Die Bundesregierung strebt bis ins Jahr 2050 sogar einen „klimaneutralen Gebäudestand“ an. Die neue Siedlung in Hügelshart kommt dem heute bereits ganz nah.

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