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DIGITALISIERUNG IN DER BAUBRANCHE: BIM


BIM soll nicht weniger leisten als eine digitale Revolution in der Bau-Planung. Das „Building Information Modeling“, was deutsch etwa Bauwerksdatenmodellierung bedeutet, kann zahlreiche Prozesse mit Hilfe von Software optimieren: Planung, Ausführung und Bewirtschaftung von Gebäuden und anderen Bauwerken. Dreidimensionale Modelle vereinfachen die Zusammenarbeit und die Kommunikation. Und Pfusch wird weitgehend ausgeschlossen: Das Modell fordert von Anfang an einen Koordinationsaufwand und eine Planungstiefe, die von jeher für alle Projekte nötig gewesen wären, die nun aber unumgänglich werden, weil das Modell sonst schlicht nicht funktioniert.

Experten sehen in BIM die Arbeitsweise der Zukunft. International ist BIM deutlich auf dem Vormarsch: beispielsweise in Großbritannien und Norwegen, wo sich Bauunternehmer nur noch auf öffentliche Ausschreibungen bewerben dürfen, wenn sie BIM nutzen. Bessere Planungsqualität und mehr Sicherheit, was die Einhaltung von Terminen und Kosten angeht, gehören zu den Kernargumenten der BIM-Befürworter. Bislang stützten sich viele Argumente auf Theorie, jetzt gibt es erstmals auch Daten aus der Praxis. Eine empirische Untersuchung hat sich mit BIM befasst und Formen der Einführung ebenso studiert wie auch die Folgen für die Arbeit der Bauunternehmen. Experten-Interviews waren die Basis der explorativen Studie. Sie lieferten erstens eine Bestandsaufnahme und zweitens Überlegungen, die zu weiteren Analysen führen sollen.

Eher anwender- als nachfragegetriebe

Was das Vorankommen von BIM in Deutschland angeht, zeigten die Interviews: Bislang gibt es hierzulande noch keinen breit angelegten Aufbruch in die digitale Zukunft. Anders als in Großbritannien und Norwegen wird BIM nicht eingefordert von Seiten der Politik, der Auftraggeber oder Planungsbüros. Also ist es nicht die Nachfrage, die BIM voranbringt. Vielmehr legen immer mehr Bauunternehmen ihrerseits los: Sie machen sich schlau und versorgen sich mit den nötigen Ressourcen, mit Software, Hardware und Fachkompetenz. So werden derzeit viele individuelle Wege beschritten, Standardlösungen hingegen sieht man kaum.

Viele Unternehmen fahren in der ersten Phase zweigleisig: Einerseits wird ein Expertenteam für BIM geschaffen, das sich nach und nach einarbeitet. Andererseits werden die konventionellen Verfahren rund um Angebote und Projektarbeit parallel weiter betrieben. Wenn BIM stabil und sicher einsatzfähig ist, verlagern die meisten nach und nach ihre Kapazitäten.

Automatische Verknüpfungen

Die größte technische Herausforderung beim Arbeiten mit BIM ist, dass Daten früher besser aufbereitet werden müssen. Beispielsweise müssen bei der Bearbeitung von Angeboten Verknüpfungen mit den jeweils ermittelten Mengen hinterlegt werden. Doch sobald sich die Informationen einmal in der Datenbank befinden, können sie jederzeit bei Bedarf abgerufen werden. Die Umstellung auf diese Arbeitsweise stellt für manche Unternehmen in der Übergangszeit ein Problem dar.

Besonders markant ist, dass mit BIM das Bausoll viel früher definiert wird als bei den gängigen Verfahren. Von Anfang an müssen alle Bauteile konkret und detailliert hinterlegt werden, denn nur so funktioniert das Datenmodell. Das bedeutet: Im Prinzip wäre es möglich, mit einem durch BIM erstellten Angebot direkt auch zu bauen. Der Planungsaufwand verlagert sich also deutlich nach vorn in frühere Projektphasen. Das zieht organisatorische Veränderungen nach sich. Zur Angebotsbearbeitung gehören nun auch Aufgaben, die bislang Teil der Arbeitsvorbereitung waren. Wer kalkuliert, hat wiederum weniger Aufwand, weil keine Mengen mehr ermittelt werden müssen, die liefert BIM. So können sich diejenigen stärker aufs eigentliche Projekt fokussieren.

Von Anfang an präzise

Die Etablierung von BIM bei den Bauunternehmen könnte mittelfristig durchaus dazu führen, dass sich manche Gewichtung verschiebt: Wenn Bauunternehmen auf diesem Weg die planerischen Grundlagen selbst erarbeiten, entfallen Arbeitsschritte für vorausgehende Planer. Leistungsfähige Bauherren können verstärkt im eigenen Haus die Planung voranbringen, indem sie selbst durchgeplante, widerspruchsfreie Unterlagen erstellen. Das verändert möglicherweise die Abläufe in der Angebotsphase. Und es wird deutlich abschätzbarer, welche Risiken von Zuschlägen oder Abschlägen es auf einen anfangs ermittelten Preis noch geben könnte – aufgrund der präzisen Datenlage fallen diese Summen aber kleiner aus, und der Preis wird für alle Beteiligten nachvollziehbar.

Das bedeutet in der Praxis: Will ein Bauherr nachträgliche Wünsche einbringen, kann man ihm einfacher und deutlicher vor Augen führen, welche finanziellen Konsequenzen das bedeutet. Auch bei internen Diskussionen über Kalkulationen lässt sich konkreter festmachen, welche Überlegungen und Annahmen den jeweiligen Ansätzen zugrunde liegen. Komplett ausschließen lassen sich durch BIM jene Nachträge, die auf fehlerhaften Ausschreibungen oder mangelnder Planungstiefe beruhen.

In der Summe der Dinge bedeutet das: Qualifizierte Planungs-Arbeiten, also alles rund um Analyse und Konzeption, werden in Zeiten von BIM an Bedeutung noch dazugewinnen. Entsprechende Experten werden immer gefragter sein. Sie müssen die Daten und Informationen analysieren, verstehen und beurteilen können. Einfache, eher zur Routine zählende Aufgaben lassen sich dank BIM simplifizieren und reduzieren. Auch die Frage, wer solche Arbeiten übernimmt, wird an Bedeutung verlieren.

Instrument für Qualifizierte

Die meisten sehen daher in BIM ein Instrument, das sich speziell an qualifizierte Beschäftigte richtet und das auch die Belastungen reduzieren kann für Planer und Bauleiter. Diese Fachkräfte können sich somit besser auf die anspruchsvollen Tätigkeiten konzentrieren.

Klar ist außerdem: Künftig wird BIM ein fester Bestandteil jeder Ausbildung in der Baubranche sein. Alle, die jetzt schon im Beruf stehen, können die Kompetenzen über Weiterbildung erwerben.

Schlagmann unterzeichnet „Valleyer Erklärung“

Im Schulterschluss mit seinen Partnern aus dem bayerischen Bauwesen möchte das Fraunhofer IBP das Potenzial des digitalen und modularen Bauens demonstrieren. Die Erkenntnisse aus Forschung und Praxis sollen in einem gemeinsamen Bauvorhaben am Standort Valley sichtbar und greifbar werden. Die »Valleyer Erklärung« wird die Ergebnisse dieses Modellvorhabens vorstellen und das neue Bauen für alle Stakeholder nutzbar machen.

Das Fraunhofer IBP und seine Partner möchten mit ihrer gemeinsamen Initiative die durch das Bayerische Staatsministerium für Wirtschaft getragene Förderung der Digitalisierung im Freistaat aktiv unterstützen und mitgestalten.

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