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NEUE METHODIK FÜR DIE BERECHNUNGEN


Die neue DIN 4109 ist da. Und der Schallschutz im Hochbau somit neu geregelt. Ganze 14 Jahre hat die Überarbeitung gedauert, bevor der Normenausschuss Bauwesen (NABau) die neue Normenreihe im Juli 2016 vorgelegt hat. Die Neuausgabe der Normenreihe DIN 4109 soll den Schallschutz im Hochbau aktualisieren. Die Anforderungen an den baulichen Schallschutz sowie das Nachweisverfahren werden somit an den Stand der Technik angepasst.

Die Neufassung der DIN 4109 soll die seit November 1989 gültige DIN 4109:1989-11 und DIN 4109/A1:2001-01 ersetzen. Bauaufsichtlich eingeführt wird die neue DIN 4109 voraussichtlich Anfang 2018. Erst danach und mit ihrer Aufnahme in die jeweilige Landesbauordnung wird die neue DIN 4109 aus öffentlich-rechtlicher Sicht bindend. Diskutiert wird sie bereits, denn durch ihre Veröffentlichung im Juli 2016 ist die neue Norm einem breiten Fachpublikum bekannt gemacht worden und stellt somit den Stand der Technik dar.

Verschärfen sich die Anforderungen?

Die gute Nachricht: Was die Norm als Anforderungen an die Schalldämmung von Gebäuden definiert, das ist grundsätzlich auch weiterhin gut erreichbar, auch mit üblichen und gängigen Konstruktionen.

Inhaltlich hält die neue DIN 4109 im Bereich des Tritt- und Luftschallschutzes im Wesentlichen fest an den bisherigen Anforderungen an den Schallschutz im Wohnungsbau. Erhöht wurden lediglich die Anforderungen an die Trittschalldämmung sowie an die Luftschalldämmung zweischaliger Wohnungs- oder Haustrennwände. In der Praxis sind diese höheren Anforderungen aber bereits seit Jahren der Stand der Technik; mit den üblichen Bauteilen und Konstruktionen kann man sie sicher einhalten. Allerdings weichen sie ab von den Vorschlägen für einen erhöhten Schallschutz nach Beiblatt 2 zur DIN 4109 – zumal bei zweischaligen Haustrennwänden nach Gebäuden mit und ohne Keller unterschieden wird.

Ein großer Schritt in Richtung Prognosesicherheit wird vom neuen Rechenverfahren erwartet, das Teil 2 der neuen Norm festlegt. Speziell bei hochwärmedämmendem Ziegelmauerwerk gibt es inzwischen viele gute Erfahrungen mit dem neuen Rechenverfahren. In konkreten Bausituationen konnte nachgewiesen werden, dass sich der prognostizierte Schallschutz sicher erreichen lässt.

Ein Tipp für Planer und ausführende Unternehmer: Da sich die zivilrechtlichen und öffentlich-rechtlichen Anforderungen an den baulichen Schallschutz nicht grundlegend geändert haben, sollte man sich im Vorfeld immer klarmachen, welchen Qualitäts- und Komfortstandards das zu errichtende Objekt genügen soll. Daran gilt es die Schallschutzanforderungen wie auch die Wahl der Baustoffe und Konstruktionen auszurichten. Es kann auch hilfreich sein, entsprechende Hinweise und Regelungen in den Bauvertrag aufzunehmen.

Ab wann muss die neue Norm angewandt werden?

Bevor die neue Norm bindend wird, hat sie noch einige formelle Schritte vor sich. Derzeit ist sie bauaufsichtlich noch nicht eingeführt. Hierfür muss die neue Normenreihe DIN 4109 erst noch in die Muster-Verwaltungsvorschrift Technische Baubestimmungen (MVV TB) aufgenommen werden. Dieses Verfahren konnte wegen diverser Einsprüche bislang noch nicht abgeschlossen werden.

Deswegen steht auch der nächste Schritt noch aus, die Aufnahme der neuen DIN 4109 in die Liste der technischen Baubestimmungen. Damit wird derzeit nicht vor Anfang 2018 gerechnet.

Erst mit ihrer Einführung und Aufnahme in die jeweilige Landesbauordnung wird die neue DIN 4109 dann aus öffentlich rechtlicher Sicht bindend. Und erst dann ersetzt die Neufassung der DIN 4109 vom Juli 2016 auch tatsächlich die seit November 1989 gültige DIN 4109:1989-11 und DIN 4109/A1:2001-01.

Wie ist die neue Norm aufgebaut, welche Änderungen sind wichtig?

Die neue Normenreihe DIN 4109 besteht aus vier Hauptteilen und sechs Bauteilkatalogen.

Der offizielle Titel der DIN 4109 Teil 1 lautet: „Schallschutz im Hochbau – Mindestanforderungen“. Die Anforderungswerte darin beschreiben ein schalltechnisches Qualitätsniveau, das nicht unterschritten werden darf.

Eine wesentliche Neuerung im Konzept ist der neue Teil 2, in dem es um den rechnerischen Nachweis geht. Hierfür wurden Bestandteile der Normenreihe DIN EN 12354 so zusammengefasst und ergänzt, dass damit der bauordnungsrechtlich geforderte Schallschutznachweis geführt werden kann. Hinzu kommt im neuen Teil 3 ein sehr umfangreicher Bauteilkatalog mit schalltechnischen Daten von Bauteilen und Konstruktionen. Diese dürfen ohne bauakustische Prüfungen verwendet werden in den neuen Schallschutznachweisen nach DIN 4109-2.

Im Einzelnen sind dies die Bauteilkataloge für den Massivbau DIN 4109-32, für den Leichtbau die DIN 4109-33, für Vorsatzkonstruktionen die DIN 4109-34, für Elemente, Fenster, Türen, Vorhangkonstruktionen die DIN 4109-35 sowie für Gebäudetechnische Anlagen die DIN 4109-36.

Unklar ist derzeit, was mit dem Beiblatt 2 zur alten DIN 4109:1989-11 geschehen wird, das den erhöhten Schallschutz regelt und somit von zentraler Bedeutung für den Wohnbau war. Zwar wurde es nie baurechtlich eingeführt, war aber als Stand der Technik anerkannt und somit von hoher zivilrechtlicher Bedeutung. Vorerst soll es noch beibehalten werden. Man prüft, ob es überarbeitet oder aber ganz zurückgezogen wird.

Anforderungen an einen erhöhten Schallschutz sind aktuell in der DIN SPEC 91314 (Ausgabe: 2017-01) veröffentlicht. Möglich wäre auch, dass die neue DIN 4109 ergänzt wird um einen Teil 5, in dem dann konkrete Anforderungen an einen erhöhten Schallschutz festgelegt werden.

Die neue DIN 4109 im Überblick

Teil 1: Mindestanforderungen
Teil 2: Rechnerische Nachweise der Erfüllung der Anforderungen
Teil 31: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) — Rahmendokument
Teil 32: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) — Massivbau
Teil 33: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) — Holz-, Leicht- und Trockenbau
Teil 34: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) — Vorsatzkonstruktionen vor massiven Bauteilen
Teil 35: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) — Elemente, Fenster, Türen, Vorhangfassaden
Teil 36: Daten für die rechnerischen Nachweise des Schallschutzes (Bauteilkatalog) — Gebäudetechnische Anlagen
Teil 4: Bauakustische Prüfungen

Teil 1 legt die Anforderungen an den baulichen Schallschutz fest. Darin geht es insbesondere um Luft- und Trittschalldämmung sowie um maximale Schallpegel aus gebäudetechnischen Anlagen. Vorschläge für einen erhöhten Schallschutz sind in dieser neuen Fassung der Norm nicht mehr enthalten.

Teil 2 beschreibt die Systematik der bauakustischen Prognose zur Erstellung der rechnerischen Nachweise des Schallschutzes.

Teil 3 umfasst den Bauteilkatalog. Dort gibt es zudem Eingangsdaten für die rechnerischen Nachweise. Der Katalog ist untergliedert in die Teile 31 bis 36. Teil 31 ist das Rahmendokument, die folgenden Teile widmen sich verschiedenen Bauweisen wie Massivbau, Holz-, Leicht- und Trockenbau sowie den gebäudetechnischen Anlagen.

Teil 4 trifft Festlegungen und nennt Randbedingungen, die man anwenden muss, wenn bauakustische Messungen (Güteprüfungen) durchgeführt werden und man anschließend mit den Ergebnissen arbeitet.

Wer die neue DIN 4109 will, kann sie im Internet kaufen. Sie kostet 90 Euro und ist ausschließlich beim Beuth-Verlag zu beziehen: www.beuth.de/de/norm/din-4109-1/254671638
 
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